Interview mit dem Autor Ha. A. Mehler zum Thema „Welche Faktoren müssen zusammenspielen um einen Bestseller zu landen?“

Anlässlich des Buches „Wie schreibe ich einen Bestseller“ von Ha. A. Mehler habe ich mit dem Autor ein Interview geführt. Es ist interessant wie unterschiedlich die Erfahrungen von Autoren sind, und das hängt von verschiedenen Komponenten ab.

Weitere Bücher von Ha. A. Mehler für Autoren:
„Das Geheimnis der Kreativität“
„Wie Sie eine wirklich spannende Geschichte schreiben, von der sich der Leser nicht losreißen kann“ (Amazon-Kindle)

Nun zum Interview:

Alice Stein: Herr Mehler, Sie geben in Ihrem Buch „Wie schreibe ich einen Bestseller“ viele Tipps zum Spannungsaufbau, zu Kreativitätstechniken und vielem mehr. Denken Sie, dass ein gutes Buch, in dem all diese Dinge berücksichtigt werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Bestseller werden kann oder ist nicht auch die Verlagswahl sehr entscheidend?

Ha. A. Mehler: Sofern ein Buch hervorragend geschrieben ist, ist zumindest die Voraussetzung für einen Seller gegeben. Insofern sind Spannungstechniken, wie ich sie in meinem Buch „Wie schreibe ich einen Bestseller“ niedergelegt habe, das A und O. Wenn ein Buch keine Spannung aufweist, wird ein Leser ein Buch sehr einfach aus der Hand legen und es nicht lesen.

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man im Falle eines hoch spannenden Buches einen Bestseller produziert, ist von vielen weiteren Details abhängig. Viele weitere Punkte spielen eine Rolle:
○ Beißt der Titel und zieht er sofort Aufmerksamkeit an?
○ Stimmt das Coverbild?
○ Wurde die Zielgruppe vorab in Augenschein genommen und über das Buch informiert?
○ Besteht eine Nachfrage nach einem solchen Titel?
○ Bietet das Buch einen konkreten Nutzen/Vorteil für die Zielgruppe?
○ Wird genügend Werbung gemacht?
○ … PR?
○ Ist der Verkauf sichergestellt?
○ Wird regelmäßig weiter geworben und verkauft, nicht nur einmal?

Ein guter Verlag kann all diese Punkte sicherstellen. Aber selbst in einem sehr guten Verlag gibt es Profis und Dilettanten. Die PR-Dame kann beispielsweise gerade neu engagiert worden sein und „keine Ahnung von Tuten und Blasen“ haben. Und so weiter, die Beispiele ließen sich beliebig mehren.

Ein Newcomer weiß selten, wie es innerhalb eines Verlages wirklich aussieht.

Alice Stein: Wie waren Ihre bisherigen Erfahrungen mit Verlagen?

Ha. A. Mehler: Persönlich habe ich sehr gute Erfahrungen mit Verlagen gemacht. Ich bin mittlerweile in 22 Verlagen publiziert, im In- und Ausland. In Deutschland sind es, glaube ich, 12 Verlage.
Einige Verlage arbeiteten hoch professionell, wie der Rentrop-Verlag, der heute als „Verlag für die Deutsche Wirtschaft“ zeichnet, aber leider keine Bücher mehr publiziert. Mit Norman Rentrop verdiente ich einen Haufen Geld, insgesamt eine sechsstellige Summe.
Mit dem Heyne-Verlag machte ich ebenfalls sehr gute Erfahrungen. Ein Buch verkaufte sich über 100.000 mal. Auch mit Bassermann (Random House) machte ich ausgezeichnete Erfahrungen und konnte Bestseller mit ihm produzieren.
Mit vielen mittleren und kleineren Verlagen machte ich „kleine und mittlere“ Erfahrungen, ironisch gesprochen, weil deren Kapazität teilweise einfach nicht ausreichte, um ein Buch intensiv zu bewerben. Aber auch mit dem Falken-Verlag und dem Verlag moderne industrie konnte ich Seller produzieren.
Unter dem Strich betrachtet waren meine Erfahrungen also gut. Freilich gab es Ausnahmen, die die Regel bestätigten.

Alice Stein: Braucht man Ihrer Meinung nach unbedingt einen Agenten? Hatten Sie schon einmal einen? Falls ja, wie sind Ihre Erfahrungen diesbezüglich?

Ha. A. Mehler: Nein, man braucht nicht unbedingt einen Agenten.
Ich arbeite heute mit fünf Agenten zusammen, zwei deutschen, einem russischen, einem bulgarischen und einem US-amerikanischen.
Einige Agenten bringen Ergebnisse, andere nicht.
Agenten sind von unvorstellbar unterschiedlicher Qualität.
Man muss sie austesten, um zu wissen, woran man ist.
Ich persönlich habe auch mit Agenten insgesamt gute Erfahrungen gemacht.

Alice Stein: Sollte man als Autor/in beim Verlag mehr nachhaken zwecks Marketing? Oder anders ausgedrückt, sollte man den Verantwortlichen im Verlag diesbezüglich auch ruhig auf den Wecker fallen?

Ha. A. Mehler: Das kommt auf die Beziehung an, die man mit dem Verantwortlichen hat.
Niemand mag es, wenn man jemandem „auf den Wecker fällt.“
Klüger ist es, selbst aktiv zu werden und etwas für die PR und den Verkauf des eigenen Buches zu tun.
Oder zumindest konkrete Vorschläge zu unterbreiten, von denen man weiß, dass sie funktionieren.

Alice Stein: Haben Sie bezüglich der Eigenaktivität der Autoren für Werbezwecke ein paar Tipps für die Leser , die nicht in Ihrem Buch stehen?

Ha. A. Mehler: Das Feld der PR und der Werbung ist so riesig, dass man keine allgemeinverbindlichen Tipps geben kann. Es kommt auf das Buch und die Zielgruppe an. Abhängig davon kann man Tipps geben, die auch ins Schwarze treffen.
Wenn man ein Buch für Immobilienmakler z.B. schreibt, muss man darauf hinwirken, dass genau diese Zielgruppe über die Existenz des Buches mehrfach informiert wird. Und man muss alle Immobilien-Fachzeitschriften kontaktieren und hier werben.
Schreibt man ein Buch für Heilpraktiker, so muss man die rund 6000 Heilpraktiker in Deutschland kontaktieren. Und so weiter.

Alice Stein: Gibt es Ihrer Ansicht nach ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, die man braucht um einen Bestseller zu landen? Abgesehen von der Qualität des Buches und den angewandten von Ihnen empfohlenen Techniken – welche sind das?

Ha. A. Mehler: Ja natürlich, siehe meine erste Antwort. Ein Bestseller wird nur gebacken, wenn eine ganze Menge von Faktoren zusammenkommen, die alle stimmen müssen.
Hier eine Zahl, die zu denken geben sollte: In den USA, wo ich wohne, setzen Profis 80% des Geldes, das für ein Buch zur Verfügung steht, brutal für die Werbung ein. 20% bleiben für den Autor, die Herstellung des Buches etc. übrig.
Will sagen: Wenn nicht in riesigem Stil für ein Buch geworben wird, ist die Chance für einen Bestseller verschwindend gering.
In Deutschland verhält es sich umgekehrt: nachdem das Buch produziert ist, ist oft kein Geld mehr für die Werbung in der Kasse, oder nur noch 20%. Auf diese Weise kann man natürlich nur scheitern.
Ein Buch wird zweimal geboren:
Die erste Mutter ist der Autor/die Autorin.
Die zweite Mutter ist der Werber/ die Werbefachfrau.
Ohne diese Zweifach-Geburt gibt es keinen Bestseller.

Auch was die Werbung angeht, so gibt es Profis und Dilettanten.
Man tut als Autor gut daran, sich mit der potentiellen Zielgruppe seines Buches professionell vorher auseinanderzusetzen. Man muss wie ein Werber denken lernen, zusätzlich zu der Autoren-Identität.
Nur wenn man beide Gesichtspunkte im Auge behält, gewinnt man.

Alice Stein: Vielen Dank für das Interview Herr Mehler!

 

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Wird die Verlagswelt auf den Kopf gestellt?

Wie in einem früheren Artikel bereits erwähnt, bewegt sich im Bereich Self-Publishing gerade sehr viel. Die normalen Verlagsmodelle könnten dadurch zunehmend unter Druck geraten. Denn wenn man sich ansieht was einige Self-Publisher bereits bieten und das mit den Angeboten von traditionellen Verlagen vergleicht, sofern man überhaupt ein Angebot bekommt, dann sieht es mittlerweile schon ziemlich armselig für die gängigen Verlage aus.

Selbstverständlich unterscheiden sich die einzelnen Angebote, es geht hier um einen Überblick und um die Möglichkeiten, die es heutzutage für Autoren gibt.

Beim Self-Publishing müssen die Kosten für die Veröffentlichung vom Autor selbst getragen werden. Manche Anbieter bieten mittlerweile allerdings bereits kostenlose Veröffentlichungen an. Oftmals kann man zwischen mehreren Ausgabeformaten wählen bzw. auch mehrere gleichzeitig herausbringen.

Ein Punkt, der je nach Sichtweise als Vor- oder Nachteil eingestuft werden kann, ist die Verantwortlichkeit des Autors für die Qualität des Buches. Es ist durchaus empfehlenswert in ein Korrektorat oder Lektorat zu investieren. Aber im Gegensatz zu dem Lektorat, das bei einem Verlagsvertrag beinhaltet sein sollte, können Autoren in diesem Fall selbst bestimmen mit wem sie arbeiten. Man kann mehrere Angebote einholen und vergleichen bevor man sich für jemanden entscheidet. Diese freie Wahl hat man bei einem Verlag nicht und wenn der Lektor dort den Büchern der Autoren seinen eigenen Stempel aufdrücken möchte, dann kann man das entweder hinnehmen oder geht auf Konfrontation, was aber auch das Ende der Zusammenarbeit bedeuten kann. Wenn Sie keine zu starken inhaltlichen Einmischungen möchten, dann können Sie das im Fall von Self-Publishing auch dementsprechend unterbinden oder eben nur ein Korrektorat buchen, das ohnehin günstiger ist.

Der nächste Punkt, der zur Ausstattung eines Buches gehört ist der Buchsatz. Hierzu bieten die Anbieter entsprechende Vorlagen und Informationen an, wodurch sich der Buchsatz leicht selbst gestalten lässt. Und zu guter Letzt darf natürlich das Cover nicht fehlen. Auch hier gibt es entweder vorgefertigte Entwürfe, die man auswählen kann oder man nimmt sich einen Grafiker. Im letzten Fall lohnt es sich sehr viele Angebote zu vergleichen. Es gibt durchaus ambitionierte Profis, die ein preiswertes Angebot machen.

Ich persönlich habe es ausgesprochen interessant gefunden ein Buch komplett selbst gestalten und alles frei entscheiden zu können.

In meiner Autorentätigkeit habe ich sehr viele unterschiedliche Varianten kennengelernt. Von einem professionellem Lektorat, das mich mein Buch aber noch als mein eigenes erkennen ließ, bis zu Lektoren, die sich im Manuskript anderer selbst verwirklichen wollen und am liebsten keinen Satz so stehen lassen wie er ist, inklusiver einer veränderten Quintessenz diverser Aussagen, bis zu einem Verlag der nur vorgab ein Lektorat durchzuführen und nichts dergleichen geschah.

Beim Self-Publishing sind die Fronten geklärt. Man muss zwar ein bisschen investieren, was sich aber durchaus im Rahmen hält, aber sonst kann es zumindest was die Ausstattung des Buches anbelangt keine bösen Überraschungen geben.

Ein weiterer Vorteil ist der Veröffentlichungszeitpunkt, den man im Fall von Self-Publishing selbst bestimmen kann. Die meisten Verlage haben ein halbjährliches oder jährliches Verlagsprogramm, das bisweilen oft für die nächsten Jahre ausgebucht ist. Abgesehen davon, dass man als Autor meist mehrere Monate auf die Prüfung des Manuskripts warten muss, geht dabei viel Zeit verloren. Im Unterhaltungssektor macht das vielleicht nicht so viel aus, aber im Sachbuchbereich, insbesondere bei Themen die aktuell sind, zählt jeder Monat. Noch mehr Verzögerungen kann es geben, wenn man einen Agenten zwischenschaltet, denn die jeweiligen Agenturen benötigen auch einige Zeit zur Prüfung der Manuskripte.

Eine mir bekannte Autorin, die auf Self-Publishing sehr arrogant herabblickt, war der Meinung das die einzig sinnvolle Möglichkeit ein Buch erfolgreich zu publizieren nur die über einen Agenten ist. Am Rande sei erwähnt, dass es sich bei ihr um keine namhafte Autorin handelt, denn diese sind meistens nicht arrogant. Interessanterweise ist kurz nach dieser Aussage ein Buch von ihr ausschließlich als E-Book in einem mir völlig unbekannten E-Book Verlag erschienen. Ich persönlich wäre nicht erfreut, wenn trotz Agent nicht auch eine Print-Ausgabe herausspringt.

Über das Thema Agenten mit allen Vor-und Nachteilen und Dingen die man wissen sollte, habe ich in meinem Buch „Die schmutzigen Geschäfte in der Verlagsbranche“ geschrieben.

Kleine Verlage bieten oft nur sehr wenig Marketing und Werbung an, falls überhaupt. Auch hier haben einige Self-Publishing-Anbieter sehr aufgeholt, um nicht zu sagen überholt.

Nicht zu vergessen ist das Honorar, das wesentlich höher ist als bei normalen Verlagen. Durch die Möglichkeit des Print-on-Demand Verfahrens sind die Kosten für eine Buchproduktion insgesamt viel geringer und vor allem für die Verlage nicht mehr so risikoreich als das Drucken einer bestimmten Auflagenhöhe. Daher ist es beim Self-Publishing auch möglich höhere Honorare auszahlen zu können, nebst der Ersparnis für die Personalkosten jener Personen die insgesamt im Buchherstellungsprozess beschäftigt sind.

Es lässt sich heutzutage also absolut nicht mehr sagen, dass man nur über eine bestimmte Veröffentlichungsweise Erfolg hat und über andere eben nicht. Es gibt keine Garantie für niemanden. Daher ist es wohl am sinnvollsten den Weg zu wählen, der für einen selbst am Stimmigsten ist, um auch mit dem Ergebnis die bestmöglichste Zufriedenheit zu erlangen. Für den Erfolg braucht man aber immer auch eine ordentliche Portion Glück – und diese lässt sich im Voraus nicht berechnen – nicht einmal für erfahrene Verlagsprofis.

Ihre Alice Stein