Kindle Unlimited – die E-Book Flatrate. Wo führt das hin?

Bei Kindle Unlimited von Amazon zahlt man 9,90 EUR pro Monat und kann bis zu zehn Bücher zeitgleich ausleihen. Das mag für Vielleser sehr verlockend und vor allem preiswert sein. Doch was bedeutet das für die Verlage und für die Autoren?

Die Preise werden dadurch immer mehr gedrückt. Die Bereitschaft für ein gutes Buch auch einmal etwas mehr zu bezahlen, wird deutlich gesenkt. Wobei „mehr bezahlen“ bei manchen bereits ab 5 EUR beginnt.

Der Arbeit von Autoren wird auf diese Weise immer weniger Respekt und Wertschätzung entgegengebracht. Ein Phänomen, das meist auftritt, wenn man ein Produkt oder eine Dienstleistung permanent zu preiswert anbietet.

Viele Autoren berichten, dass der Verkauf eines E-Books bereits deutlich zurückgeht, wenn es beispielsweise um 4,99 EUR angeboten wird. Insbesondere wenn es sich um ein populäres Genre wie Liebesromane, Kriminalromane oder Thriller handelt. Die Leser scheinen oft überhaupt nicht nachzudenken, wie viel Arbeit in einem Buch steckt.

Bei Verlagsbüchern hängt noch mehr Aufwand dran und es müssen zahlreiche Personen am Verkauf der Bücher verdienen. Das kann mit einer Flatrate auf die Dauer nicht funktionieren.

Ein Vorteil mag sein, dass mit der Kindle Leihbücherei und Kindle Unlimited der Verkaufsrang eines Buches verbessert werden kann. Aber das wäre vielleicht auch ohne Flatrate möglich, wenn das E-Book zu einem günstigen Preis angeboten wird, aber eben nicht nahezu umsonst verfügbar ist.

Auch der Lesegenuss selbst kann darunter leiden, da die Kunden möglicherweise bemüht sind, das Programm voll auszuschöpfen und durch die Bücher nur mehr schnell durchhuschen, anstatt diese zu genießen, oder etwas daraus mitnehmen zu können, wie es eigentlich ursprünglich gedacht war.

Das spiegelt wiederum ein Phänomen der heutigen Zeit. Alles soll billig sein und schnell gehen. Man nimmt sich keine Zeit mehr für Genuss und Muße, und die Wertschätzung gegenüber der Arbeit anderer Menschen sinkt auf ein Minimum.

Wenn diese Entwicklung anhält, könnte sich der Buchmarkt mit der Zeit in eine riesige Leihbücherei verwandeln, wo nur noch einige wenige Monopolisten daran verdienen.

Insgesamt sind Flatrates aus meiner Sicht demnach eher kritisch zu sehen. Denn sie zerstören Schritt für Schritt die Buchkultur und im weiteren Sinn auch die Kultur der Menschen.

Ihre Alice Stein

E-Books im Vormarsch?

Die Weihnachtszeit ist ein guter Maßstab für einen Vergleich zwischen der aktuellen Beliebtheit von E-Books und Printbüchern. Denn Weihnachten ist auch die Zeit der Geschenke, und ein gedrucktes Buch eignet sich nun einmal besser als Geschenk, als ein E-Book. Dennoch ist zu merken, dass sich die E-Books auch in dieser Zeit großer Beliebtheit erfreuen. Das kann daran liegen, dass sich viele entscheiden zu Weihnachten ein Kindle-Gerät oder sonstige E-Book-Reader zu schenken, anstatt gedruckter Bücher.

Der Vorteil der digitalen Bücher ist ganz klar der Preis. Denn bei niedrigen Preisen ist es nicht schlimm, wenn das ein oder andere Buch dann doch nicht so überzeugt, während man bei Preisen in der Nähe von 20 EUR oder darüber schon eher seinem Geld nachweint, wenn man das betreffende Buch als Flop empfindet. Der nächste Vorteil ist, dass E-Books extrem platzsparend sind. In einer Zeit wo die Mieten immer mehr in die Höhe schießen, und viele in immer kleinere Wohnungen ziehen müssen, ist das durchaus praktisch. Obendrein hat man die Bücher mittels Reader immer parat. Beispielsweise im Wartezimmer beim Arzt muss man sich die Zeit nicht mit abgegriffenen Zeitschriften vertreiben, sondern kann ganz einfach ein Buch seiner Wahl lesen.

Dennoch, ein guter Teil bevorzugt es immer noch sich mit einem gedrucktem Buch gemütlich aufs Sofa zu setzen und zu lesen, ohne ständig ein elektronisches Gerät in der Hand zu halten. Und, wer genug Platz hat – es geht doch nichts über die schöne Optik beeindruckender, gefüllter Bücherregale.

So bleibt jedem das Seine. Das gedruckte Buch wird nicht so bald verschwinden – und das wäre auch sehr schade. Aber wer bei einer Veröffentlichung nur noch auf Printausgaben setzt, muss wohl mit Einbußen rechnen. Verlage, die sich diesem neuen Markt nicht öffnen wollen, könnten schon bald nicht mehr konkurrenzfähig sein. Jede Version hat ihre Fans. Das sollte bei Buchveröffentlichungen berücksichtigt werden. Für Self-Publishing Autoren ist eine Herausgabe als E-Book natürlich viel einfacher und kostengünstiger. Es gibt bereits einige Beispiele an unabhängigen Autoren, die auf diese Weise großen Erfolg hatten.

Am besten ist jedoch nach Möglichkeit beides zu veröffentlichen. Ein Vorteil wenn man mehrere Ausgaben publiziert hat, ist der, dass Leser die z. B. das E-Book günstig erworben haben, sich danach entscheiden könnten, jemanden die gedruckte Ausgabe zu schenken, insbesondere wenn die Beschenkten Printbücher gegenüber E-Books bevorzugen.

Selbst wenn man die E-Book Flatrate, wie sie z. B. bei Amazon Kindle Unlimited angeboten wird, auch kritisch sehen kann, (mehr dazu demnächst im kommenden Artikel) können E-Books außerdem als Marketingmaßnahme für die gedruckten Ausgaben fungieren.

Ihre Alice Stein