Rezensenten – die verschiedenen Typen

Etwas das jeder Autor kennt, ist die Freude und der Ärger mit den Rezensenten. In diesem Beitrag möchte ich auf die verschiedenen Arten von Rezensenten eingehen.

Beginnen werde ich mit dem positiven Typ.

Die leidenschaftlichen Leser und fairen Rezensenten: Das sind jene, die gerne Bücher lesen und ehrlich aber dennoch fair rezensieren. Fair bedeutet, dass es kein Verriss sein soll, und dass den Autoren Menschlichkeit und damit auch Fehlerhaftigkeit zugebilligt wird. Der größte Lohn für Autoren ist die Anerkennung der Leser und die Freude, die sie beim Lesen der Bücher haben.

Die Literaturkritiker: Damit meine ich keine echten Literaturkritiker, sondern Leser, die sich gerne als solche aufspielen. Man erkennt sie an einer sehr kritischen Herangehensweise und einem gnadenlosen Suchen nach Fehlern, wovon jeder einzelne angeprangert wird. Gerne wird hier auch mit Begriffen wie „alle“, „keine“ usw. pauschaliert. Sie zeigen sich als besonders anspruchsvoll und werten gerne die positiven Rezensionen anderer ab, die aus ihrer Sicht wohl zu leicht zu beeindrucken sind, während sie selbst alle Mängel eines Buches erkennen. Hierunter fallen die klassischen Wichtigtuer, die sich selbst eine höhere Bedeutung verleihen und einen höheren Bildungsgrad simulieren wollen. Amüsant ist in diesem Zusammenhang wenn Rezensenten sämtliche Fachbegriffe der Grammatik auflisten, wo sich aus ihrer Sicht Fehler befinden, und selbst eine Rezension von ein paar Zeilen schreiben, wo es nur so vor Fehlern wimmelt. Damit führen sie sich selbst ad absurdum. Denn wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Die damit verbundene schlechte Bewertung ist freilich für die Autoren weniger amüsant. Insbesondere da sich das immer auf den Durchschnittswert auswirkt, und andere Leser ein Buch oft nicht mehr anklicken, wenn es einen gewissen Wert unterschreitet.

Die kritische Grenze soll dabei bei 3,8 liegen, das ist der Wert wo noch vier Sterne aufscheinen. Darunter sinkt es auf dreieinhalb Sterne oder niedriger. Besonders schlimm ist es für die Autoren, wenn die erste Rezension negativ ist, und das Buch dann mit einem sehr niedrigen Durchschnittswert kaum Chancen hat, nach oben zu steigen.

Die Trolle: Darunter kann sich alles Mögliche verbergen. Meistens handelt es sich dabei aber um neidische, gehässige Rezensenten, Konkurrenten oder auch Auftragstrolle, die den Verkauf und den Erfolg gezielt behindern wollen. Oftmals kaufen diese das Buch gar nicht oder geben es sofort zurück, nur damit bei der Rezension „verifizierter Verkauf“ steht. Zu diesem Thema habe ich einen eigenen Beitrag verfasst. https://buchbranche.wordpress.com/2015/02/17/wie-aussagekraftig-ist-der-verifizierte-verkauf-fur-rezensionen/

Die Frustler: Diese Gruppe ist ähnlich, wie die der Trolle. Es sind die klassischen Nörgler. Sie haben oft Frust und lassen sich das an den Produkten bzw. Büchern aus, die sie rezensieren. Sie suchen offenbar nach einer Möglichkeit sich abzureagieren. Man erkennt sie daran, dass sie fast ausschließlich nur schlechte Rezensionen schreiben. Das kann bei den Trollen auch so sein, diese können aber auch gezielt andere Produkte positiv hervorheben. Das erhöht einerseits die Glaubwürdigkeit und kann anderseits eine versteckte Werbung sein, mit Angriffen auf Konkurrenzprodukte.

Für Autoren ist es am angenehmsten, wenn man sie in Bezug auf Fehler oder Schwächen in ihren Büchern persönlich aufmerksam macht. Die meisten bieten eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Dann kann sich der Autor entwickeln, ohne dass mit schlechten Bewertungen der Verkauf blockiert wird.

Es sollte bei Rezensionen auch berücksichtigt werden, ob die Bücher wie z. B. E-Books bei Amazon Kindle Unlimited zu sehr niedrigen Preisen von unabhängigen Autoren angeboten werden, oder ob es sich um ein Verlagsbuch handelt, wo solch niedrige Preise nicht möglich sind, aber wahrscheinlich meist mehr Perfektion vorhanden ist. Ein Buch um 0,99 EUR sollte also nicht ebenso kritisch bewertet werden, wie eines im selben Genre und einer ähnlichen Länge, um beispielsweise  6,99 EUR.

Generell kann man sagen: Kein Mensch ist perfekt und damit auch kein Autor und kein Buch. Und: Geschmäcker sind verschieden!

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Ihre Alice Stein

Wie aussagekräftig ist der verifizierte Verkauf für Rezensionen?

Mit dem verifizierten Verkauf versucht beispielsweise Amazon bei Rezensionen einen verlässlichen Hinweis zu geben, wer das Produkt tatsächlich gekauft hat. Aber ist das wirklich so aussagekräftig?

Bestätigt wird, dass das betreffende Produkt bei Amazon gekauft wurde. Im Falle von Büchern, bedeutet das aber nicht, dass sie auch wirklich gelesen wurden, dieser Eindruck könnte aber implizit entstehen. Doch auch beim verifizierten Kauf kann es sein, dass ein Rezensent nur oberflächlich bewertet oder abkanzelt. Hinzu kommt das 14-tägige Widerrufsrecht, das es leider auch bei E-Books gibt, was durchaus diskussionswürdig ist. Kauft beispielsweise ein Konkurrent eines Autors, oder jemand der ihm oder ihr schlicht und einfach nicht gut gesinnt ist, das Buch, so kann er es innerhalb von 14 Tagen zurückgeben und bekommt das Geld zurück. Bei der Bewertung würde dann „verifizierter Verkauf“ stehen. Auf diese Weise sind Scheinkäufe möglich, die nur dem Zweck dienen können, einem Autor/in zu schaden. Das Buch muss dann gar nicht zu Ende oder überhaupt gelesen worden sein. Mit flachen Pauschalierungen lässt es sich leicht in Grund und Boden stampfen.

Umgekehrt ist es aber auch möglich, dass jemand in einer Buchhandlung ein Buch gekauft hat, und gerne eine Rezension auf Amazon schreiben möchte, da bekannt ist, dass sich viele vor dem Kauf eines Produkts an diesen Bewertungen orientieren. In diesem Fall stünde dann nicht verifizierter Verkauf, was die Rezension aber nicht weniger wertvoll oder wichtig macht.

Ebenso kann die Bewertung aufgrund einer Leserunde oder Buchverlosung z. B. bei Lovelybooks gegeben werden, oder das Buch könnte man auch von Freunden oder Verwandten geschenkt bekommen haben. Auch solche Rezensionen sind nicht weniger wert.

Umgekehrt sind insbesondere bei niedrigen Preisen auch Gefälligkeitsrezensionen von Freunden nicht ausgeschlossen.

Mit der Information des verifizierten Verkauf ist also nicht wirklich viel gewonnen.

Entscheidend sich ehrliche Lesermeinungen, die weder eine Gefälligkeit noch eine gezielte Schädigungsabsicht beinhalten.

Es ist daher besser sich inhaltlich an einer Rezension zu orientieren. Übertriebene Lobhudeleien, als auch gehässige Aussagen über ein Buch und den Autor sind immer mit Vorsicht zu genießen.

Am überzeugendsten und hilfreichsten sind sachlich abgefasste Bewertungen, welche die Sicht des Rezensenten auch begründen.

Ihre Alice Stein

Wie man Bewertungen bewertet

Sowohl beim Kauf von Büchern, als auch von Produkten orientieren sich viele an den Bewertungen anderer. Das ist zwar eine gute Idee, da es einem vor Fehlkäufen bewahren und echte Mängel aufzeigen kann, aber es ändert nichts daran, dass Bewertungen immer subjektiv sind.

Nehmen wir als Beispiel einmal die Grenze zwischen 4 Sternen und 5 Sternen. Es gibt Personen, die grundsätzlich keine Höchstwertung vergeben. Ich habe einmal im beruflichen Kontext von einem Seminarteilnehmer die Erklärung bekommen, dass die Höchstwertung für ihn bedeutet, dass es absolut perfekt ist. Da es das aber nie gäbe, gibt er auch niemals die Höchstzahl an zu vergebenen Punkten. Aus dieser Perspektive ist für denjenigen die zweithöchste Wertung ebenso gut, wie wenn andere die Bestwertung geben. Aber wer kennt schon die persönlichen Bewertungskriterien, wenn man bei Produkten auf den Durchschnittswert sieht und ein paar Bewertungen liest?

Einige geben 5 Sterne wenn es sie persönlich sehr anspricht, setzen aber keine Perfektionsmaßstäbe. Bei anderen kann es wiederum sein, dass sie inhaltlich sehr positive Rezensionen bei Büchern, schreiben, aber dennoch einen Punkt abziehen, ohne dass dieser Abzug begründet wird.

Auch bei den Bewertungen braucht man als Autor dementsprechend – wie in vielen Bereichen – einfach Glück. Hat man mehrere Kunden, die das Buch nach Gefallen beurteilen, aber keine Perfektion erwarten und die 5  Sterne vergeben, macht das Buch von den Bewertungen her einen sehr guten Gesamteindruck. Umgekehrt kann es aber auch sein, dass sich ein paar Perfektionisten versammeln, die Abzüge für jeden Fehler geben, obwohl ihnen das Buch insgesamt gefallen hat. Das natürlich nebst der Möglichkeit, dass Kunden gänzlich andere Vorstellungen von dem Buch hatten und es ganz schlecht bewerten.

Eine gute Möglichkeit der Ergänzung ist eine Leseprobe, oder die „Blick ins Buch“-Funktion bei Amazon. Denn dadurch kann man sich selbst bereits einen Eindruck verschaffen, denn letztlich zählt für den Einzelnen ja nur, ob einem selbst das Buch gefällt und einen Nutzen bringt oder nicht. Gerade bei Büchern überwiegt der subjektive Eindruck. Das ist wiederum etwas anders wenn es sich beispielsweise um Produkte handelt, wo es auch um die Haltbarkeit und Belastbarkeit geht.

Als Autor selbst kann man, wenn man Self-Publisher ist, in die Qualität des Buches investieren, indem man beispielsweise ein Korrektorat oder Lektorat machen lässt und ein professionelles Cover. Außerdem das Buch in Verbindung mit dem Klappentext von mehreren Lesern, aus dem Bekanntenkreis lesen lässt, um zu überprüfen ob es falsche Erwartungen weckt. Diesbezüglich sollte man absolut ehrliche Antworten einfordern, oder nach dem Lesen des Klappentextes ein kurzes Feedback erbitten, welche Erwartungen dieser weckt, um anschließend zu prüfen ob das Buch dem gerecht wird. Das reduziert schon einmal die Angriffspunkte.

Der Rest ist dann wieder Glückssache. Denn Glück braucht jeder Autor, selbst wenn er oder sie noch so gut schreibt!

Ihre Alice Stein