Rezension zu „Wie man erfolgreich E-Books verkauft. Exklusivinterviews mit Top-Autoren“ von Wilhelm Ruprecht Frieling

In diesem E-Book führt Wilhelm Ruprecht Frieling auch Prinz Rupi genannt, Interviews mit erfolgreichen Indie-Autoren, und fühlt ihnen in Bezug auf ihr Erfolgsrezept auf den Zahn. Ich habe die 8. Auflage gelesen, die Interviews mit Autoren bis zum Jahr 2014 enthält.

Nach dem Lesen von einigen Interviews wird einem schnell klar, dass der unkalkulierbare Faktor „GLÜCK“ eine große Rolle spielt. Viele Autoren können sich ihren eigenen Erfolg nicht so recht erklären – oder wollen es vielleicht nicht. Wer sich ein Erfolgsrezept erwartet, wird enttäuscht werden. Kann sein, dass sich die Autoren nicht so wirklich in die Karten sehen lassen wollen. W. R. Frieling ist hingegen sehr bemüht, ihnen ihr Geheimnis zum Erfolg herauszulocken. Aber entweder gibt es das nicht und es war eine Fügung an glücklichen Zufällen, oder die Autoren wollen es verständlicherweise nicht preisgeben. Denn jeder Leser dieses Buches kann zum Konkurrent werden, da es schließlich die Zielgruppe der Indie-Autoren anspricht.

Es zeigt aber andererseits auch schön auf, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss, und nicht bloß nach vorgefertigten Strategien vorgehen kann. Was bei dem einen zum Erfolg geführt hat, muss bei dem anderen nicht zwangsläufig ebenfalls erfolgreich sein.

Man bekommt in dem Buch zwar die ein- oder anderen Tipps, wovon aber die meisten dem Großteil von Indie-Autoren höchstwahrscheinlich bereits bekannt sind. Auffallend ist, das die erfolgreichen Autoren, mit denen Frieling die Interviews führt, ihre E-Books hauptsächlich bei Amazon KDP Select publiziert haben. Durch Gratisaktionen oder die flexible Preisgestaltung gibt es für Autoren gute Vermarktungsmöglichkeiten. Die Wirkung von diesen dürfte allerdings hauptsächlich zu Beginn von Amazon Kindle sehr stark gewesen sein, und mittlerweile immer mehr abebben.

Uneinig scheinen sich die Autoren zu sein, ob der Preis ausschlaggebend für den Verkaufserfolg ist und ob sich Gratisaktionen lohnen. Einige schwören auf 99 Cent-Aktionen, andere haben sich dieser Methode nicht bedient. Nachdem jeder auf seine Weise erfolgreich verkauft hat, bleibt dem Leser der Lektüre nur übrig selbst zu probieren was sich am ehesten lohnt.

Fazit: Wege zum Erfolg sind nicht kopierbar –  und ohne Glück läuft sowieso nichts! Das wird einem auch beim Lesen dieses E-Books klar.

Ihre Alice Stein

Wird die Verlagswelt auf den Kopf gestellt?

Wie in einem früheren Artikel bereits erwähnt, bewegt sich im Bereich Self-Publishing gerade sehr viel. Die normalen Verlagsmodelle könnten dadurch zunehmend unter Druck geraten. Denn wenn man sich ansieht was einige Self-Publisher bereits bieten und das mit den Angeboten von traditionellen Verlagen vergleicht, sofern man überhaupt ein Angebot bekommt, dann sieht es mittlerweile schon ziemlich armselig für die gängigen Verlage aus.

Selbstverständlich unterscheiden sich die einzelnen Angebote, es geht hier um einen Überblick und um die Möglichkeiten, die es heutzutage für Autoren gibt.

Beim Self-Publishing müssen die Kosten für die Veröffentlichung vom Autor selbst getragen werden. Manche Anbieter bieten mittlerweile allerdings bereits kostenlose Veröffentlichungen an. Oftmals kann man zwischen mehreren Ausgabeformaten wählen bzw. auch mehrere gleichzeitig herausbringen.

Ein Punkt, der je nach Sichtweise als Vor- oder Nachteil eingestuft werden kann, ist die Verantwortlichkeit des Autors für die Qualität des Buches. Es ist durchaus empfehlenswert in ein Korrektorat oder Lektorat zu investieren. Aber im Gegensatz zu dem Lektorat, das bei einem Verlagsvertrag beinhaltet sein sollte, können Autoren in diesem Fall selbst bestimmen mit wem sie arbeiten. Man kann mehrere Angebote einholen und vergleichen bevor man sich für jemanden entscheidet. Diese freie Wahl hat man bei einem Verlag nicht und wenn der Lektor dort den Büchern der Autoren seinen eigenen Stempel aufdrücken möchte, dann kann man das entweder hinnehmen oder geht auf Konfrontation, was aber auch das Ende der Zusammenarbeit bedeuten kann. Wenn Sie keine zu starken inhaltlichen Einmischungen möchten, dann können Sie das im Fall von Self-Publishing auch dementsprechend unterbinden oder eben nur ein Korrektorat buchen, das ohnehin günstiger ist.

Der nächste Punkt, der zur Ausstattung eines Buches gehört ist der Buchsatz. Hierzu bieten die Anbieter entsprechende Vorlagen und Informationen an, wodurch sich der Buchsatz leicht selbst gestalten lässt. Und zu guter Letzt darf natürlich das Cover nicht fehlen. Auch hier gibt es entweder vorgefertigte Entwürfe, die man auswählen kann oder man nimmt sich einen Grafiker. Im letzten Fall lohnt es sich sehr viele Angebote zu vergleichen. Es gibt durchaus ambitionierte Profis, die ein preiswertes Angebot machen.

Ich persönlich habe es ausgesprochen interessant gefunden ein Buch komplett selbst gestalten und alles frei entscheiden zu können.

In meiner Autorentätigkeit habe ich sehr viele unterschiedliche Varianten kennengelernt. Von einem professionellem Lektorat, das mich mein Buch aber noch als mein eigenes erkennen ließ, bis zu Lektoren, die sich im Manuskript anderer selbst verwirklichen wollen und am liebsten keinen Satz so stehen lassen wie er ist, inklusiver einer veränderten Quintessenz diverser Aussagen, bis zu einem Verlag der nur vorgab ein Lektorat durchzuführen und nichts dergleichen geschah.

Beim Self-Publishing sind die Fronten geklärt. Man muss zwar ein bisschen investieren, was sich aber durchaus im Rahmen hält, aber sonst kann es zumindest was die Ausstattung des Buches anbelangt keine bösen Überraschungen geben.

Ein weiterer Vorteil ist der Veröffentlichungszeitpunkt, den man im Fall von Self-Publishing selbst bestimmen kann. Die meisten Verlage haben ein halbjährliches oder jährliches Verlagsprogramm, das bisweilen oft für die nächsten Jahre ausgebucht ist. Abgesehen davon, dass man als Autor meist mehrere Monate auf die Prüfung des Manuskripts warten muss, geht dabei viel Zeit verloren. Im Unterhaltungssektor macht das vielleicht nicht so viel aus, aber im Sachbuchbereich, insbesondere bei Themen die aktuell sind, zählt jeder Monat. Noch mehr Verzögerungen kann es geben, wenn man einen Agenten zwischenschaltet, denn die jeweiligen Agenturen benötigen auch einige Zeit zur Prüfung der Manuskripte.

Eine mir bekannte Autorin, die auf Self-Publishing sehr arrogant herabblickt, war der Meinung das die einzig sinnvolle Möglichkeit ein Buch erfolgreich zu publizieren nur die über einen Agenten ist. Am Rande sei erwähnt, dass es sich bei ihr um keine namhafte Autorin handelt, denn diese sind meistens nicht arrogant. Interessanterweise ist kurz nach dieser Aussage ein Buch von ihr ausschließlich als E-Book in einem mir völlig unbekannten E-Book Verlag erschienen. Ich persönlich wäre nicht erfreut, wenn trotz Agent nicht auch eine Print-Ausgabe herausspringt.

Über das Thema Agenten mit allen Vor-und Nachteilen und Dingen die man wissen sollte, habe ich in meinem Buch „Die schmutzigen Geschäfte in der Verlagsbranche“ geschrieben.

Kleine Verlage bieten oft nur sehr wenig Marketing und Werbung an, falls überhaupt. Auch hier haben einige Self-Publishing-Anbieter sehr aufgeholt, um nicht zu sagen überholt.

Nicht zu vergessen ist das Honorar, das wesentlich höher ist als bei normalen Verlagen. Durch die Möglichkeit des Print-on-Demand Verfahrens sind die Kosten für eine Buchproduktion insgesamt viel geringer und vor allem für die Verlage nicht mehr so risikoreich als das Drucken einer bestimmten Auflagenhöhe. Daher ist es beim Self-Publishing auch möglich höhere Honorare auszahlen zu können, nebst der Ersparnis für die Personalkosten jener Personen die insgesamt im Buchherstellungsprozess beschäftigt sind.

Es lässt sich heutzutage also absolut nicht mehr sagen, dass man nur über eine bestimmte Veröffentlichungsweise Erfolg hat und über andere eben nicht. Es gibt keine Garantie für niemanden. Daher ist es wohl am sinnvollsten den Weg zu wählen, der für einen selbst am Stimmigsten ist, um auch mit dem Ergebnis die bestmöglichste Zufriedenheit zu erlangen. Für den Erfolg braucht man aber immer auch eine ordentliche Portion Glück – und diese lässt sich im Voraus nicht berechnen – nicht einmal für erfahrene Verlagsprofis.

Ihre Alice Stein