Rezensenten – die verschiedenen Typen

Etwas das jeder Autor kennt, ist die Freude und der Ärger mit den Rezensenten. In diesem Beitrag möchte ich auf die verschiedenen Arten von Rezensenten eingehen.

Beginnen werde ich mit dem positiven Typ.

Die leidenschaftlichen Leser und fairen Rezensenten: Das sind jene, die gerne Bücher lesen und ehrlich aber dennoch fair rezensieren. Fair bedeutet, dass es kein Verriss sein soll, und dass den Autoren Menschlichkeit und damit auch Fehlerhaftigkeit zugebilligt wird. Der größte Lohn für Autoren ist die Anerkennung der Leser und die Freude, die sie beim Lesen der Bücher haben.

Die Literaturkritiker: Damit meine ich keine echten Literaturkritiker, sondern Leser, die sich gerne als solche aufspielen. Man erkennt sie an einer sehr kritischen Herangehensweise und einem gnadenlosen Suchen nach Fehlern, wovon jeder einzelne angeprangert wird. Gerne wird hier auch mit Begriffen wie „alle“, „keine“ usw. pauschaliert. Sie zeigen sich als besonders anspruchsvoll und werten gerne die positiven Rezensionen anderer ab, die aus ihrer Sicht wohl zu leicht zu beeindrucken sind, während sie selbst alle Mängel eines Buches erkennen. Hierunter fallen die klassischen Wichtigtuer, die sich selbst eine höhere Bedeutung verleihen und einen höheren Bildungsgrad simulieren wollen. Amüsant ist in diesem Zusammenhang wenn Rezensenten sämtliche Fachbegriffe der Grammatik auflisten, wo sich aus ihrer Sicht Fehler befinden, und selbst eine Rezension von ein paar Zeilen schreiben, wo es nur so vor Fehlern wimmelt. Damit führen sie sich selbst ad absurdum. Denn wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Die damit verbundene schlechte Bewertung ist freilich für die Autoren weniger amüsant. Insbesondere da sich das immer auf den Durchschnittswert auswirkt, und andere Leser ein Buch oft nicht mehr anklicken, wenn es einen gewissen Wert unterschreitet.

Die kritische Grenze soll dabei bei 3,8 liegen, das ist der Wert wo noch vier Sterne aufscheinen. Darunter sinkt es auf dreieinhalb Sterne oder niedriger. Besonders schlimm ist es für die Autoren, wenn die erste Rezension negativ ist, und das Buch dann mit einem sehr niedrigen Durchschnittswert kaum Chancen hat, nach oben zu steigen.

Die Trolle: Darunter kann sich alles Mögliche verbergen. Meistens handelt es sich dabei aber um neidische, gehässige Rezensenten, Konkurrenten oder auch Auftragstrolle, die den Verkauf und den Erfolg gezielt behindern wollen. Oftmals kaufen diese das Buch gar nicht oder geben es sofort zurück, nur damit bei der Rezension „verifizierter Verkauf“ steht. Zu diesem Thema habe ich einen eigenen Beitrag verfasst. https://buchbranche.wordpress.com/2015/02/17/wie-aussagekraftig-ist-der-verifizierte-verkauf-fur-rezensionen/

Die Frustler: Diese Gruppe ist ähnlich, wie die der Trolle. Es sind die klassischen Nörgler. Sie haben oft Frust und lassen sich das an den Produkten bzw. Büchern aus, die sie rezensieren. Sie suchen offenbar nach einer Möglichkeit sich abzureagieren. Man erkennt sie daran, dass sie fast ausschließlich nur schlechte Rezensionen schreiben. Das kann bei den Trollen auch so sein, diese können aber auch gezielt andere Produkte positiv hervorheben. Das erhöht einerseits die Glaubwürdigkeit und kann anderseits eine versteckte Werbung sein, mit Angriffen auf Konkurrenzprodukte.

Für Autoren ist es am angenehmsten, wenn man sie in Bezug auf Fehler oder Schwächen in ihren Büchern persönlich aufmerksam macht. Die meisten bieten eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Dann kann sich der Autor entwickeln, ohne dass mit schlechten Bewertungen der Verkauf blockiert wird.

Es sollte bei Rezensionen auch berücksichtigt werden, ob die Bücher wie z. B. E-Books bei Amazon Kindle Unlimited zu sehr niedrigen Preisen von unabhängigen Autoren angeboten werden, oder ob es sich um ein Verlagsbuch handelt, wo solch niedrige Preise nicht möglich sind, aber wahrscheinlich meist mehr Perfektion vorhanden ist. Ein Buch um 0,99 EUR sollte also nicht ebenso kritisch bewertet werden, wie eines im selben Genre und einer ähnlichen Länge, um beispielsweise  6,99 EUR.

Generell kann man sagen: Kein Mensch ist perfekt und damit auch kein Autor und kein Buch. Und: Geschmäcker sind verschieden!

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würde ich mich freuen wenn Sie ihn teilen.

Ihre Alice Stein

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Kostenlose Präsentationsmöglichkeiten für Autoren

Autoren, insbesondere Self-Publisher sind immer auf der Suche nach Präsentationsmöglichkeiten für ihre Bücher. Hier möchte ich drei interessante Plattformen vorstellen.

https://rezi-suche.de/

Das Portal rezi-suche.de bringt Leser, Blogger und Autoren zusammen. Hier ist es für Autoren möglich ihre Bücher einzutragen, die erhältlichen Formate, und in welcher Form sie Rezensionsexemplare zur Verfügung stellen. Leser und Blogger können sich ebenso auf dieser Plattform eintragen, wenn sie Rezensionen schreiben. Dabei können sie genau ihr bevorzugtes Genre angeben. Es können demnach sowohl die Autoren die Blogger kontaktieren, als auch die Blogger die Autoren, wenn sie gerne ein bestimmtes Buch rezensieren möchten. Die Kontaktaufnahme kann auf Wunsch anonym erfolgen, sodass die E-Mail-Adresse nicht öffentlich aufscheint. Man kann auch eintragen, ob es erforderlich ist, dass der Rezensent einen eigenen Blog hat, oder nicht.

Auf diesem Portal gibt es einen Rezi-Kodex, dies ist ein freiwilliger Verhaltenskodex, der ein faires Miteinander von Autoren und Rezensenten beinhalten soll. Wer zustimmt sich gemäß dieses Kodex zu verhalten, der bekommt auf seiner Seite das Rezi-Kodex Badge.

Siehe: https://rezi-suche.de/info/codex.html

Zu dieser Plattform gibt es die Schwesterseite: https://was-lese-ich.de „Das passende Buch zu deinen Interessen“.

Autoren haben dort die Möglichkeit nebst ihren Büchern, ihre Biografie und Links zur Autorenhomepage, Facebook und Twitter zu veröffentlichen. Ebenso kann jeder Autor, der eine eigene Homepage bzw. einen eigenen Blog hat, seine News mittels RSS-Feed dort erscheinen lassen.

Auf dem Portal gibt es auch die Möglichkeit eine inhaltliche Einordnung der eigenen Bücher anzugeben, z. B. wie viel Anteil an Spannung, Realität, Action, Romantik, Humor, Magie etc. in dem jeweiligen Buch enthalten ist.

Ebenso hat „rezi-suche.de“ bzw. „was-lese-ich.de“ eine Kooperation mit dem Selfpublisher-Verband. http://www.selfpublisher-verband.de/

Eine weitere Plattform ist die Autoren Bücherei, die ein Service von authorsbook.de ist. http://autoren-bücherei.de

Hier kann man eine Leseprobe einsenden, und wenn diese mit den anderen Angaben erfolgreich geprüft wurde, erscheint das Buch auf dieser Plattform. Die Leser haben hier die Möglichkeit die Bücher zu bewerten. Sämtliche Genres an Büchern sind hier abgedeckt und die Leser können in den jeweiligen Regalen stöbern.

http://autoren-bücherei.de/leseprobe-einsenden/

Self-Publisher, aber natürlich auch Verlagsautoren bekommen durch solche Angebote immer mehr Möglichkeiten ihre Bücher zu präsentieren und den Lesern vorzustellen. Das kann auch sehr hilfreich sein, wenn ein Verlag sich nicht so sehr um das Marketing kümmert, wie vom Autor erwartet.

Nutzen Sie möglichst viele derartige kostenlose Angebote um mehr Leser zu erreichen.

Ihre Alice Stein

Wie aussagekräftig ist der verifizierte Verkauf für Rezensionen?

Mit dem verifizierten Verkauf versucht beispielsweise Amazon bei Rezensionen einen verlässlichen Hinweis zu geben, wer das Produkt tatsächlich gekauft hat. Aber ist das wirklich so aussagekräftig?

Bestätigt wird, dass das betreffende Produkt bei Amazon gekauft wurde. Im Falle von Büchern, bedeutet das aber nicht, dass sie auch wirklich gelesen wurden, dieser Eindruck könnte aber implizit entstehen. Doch auch beim verifizierten Kauf kann es sein, dass ein Rezensent nur oberflächlich bewertet oder abkanzelt. Hinzu kommt das 14-tägige Widerrufsrecht, das es leider auch bei E-Books gibt, was durchaus diskussionswürdig ist. Kauft beispielsweise ein Konkurrent eines Autors, oder jemand der ihm oder ihr schlicht und einfach nicht gut gesinnt ist, das Buch, so kann er es innerhalb von 14 Tagen zurückgeben und bekommt das Geld zurück. Bei der Bewertung würde dann „verifizierter Verkauf“ stehen. Auf diese Weise sind Scheinkäufe möglich, die nur dem Zweck dienen können, einem Autor/in zu schaden. Das Buch muss dann gar nicht zu Ende oder überhaupt gelesen worden sein. Mit flachen Pauschalierungen lässt es sich leicht in Grund und Boden stampfen.

Umgekehrt ist es aber auch möglich, dass jemand in einer Buchhandlung ein Buch gekauft hat, und gerne eine Rezension auf Amazon schreiben möchte, da bekannt ist, dass sich viele vor dem Kauf eines Produkts an diesen Bewertungen orientieren. In diesem Fall stünde dann nicht verifizierter Verkauf, was die Rezension aber nicht weniger wertvoll oder wichtig macht.

Ebenso kann die Bewertung aufgrund einer Leserunde oder Buchverlosung z. B. bei Lovelybooks gegeben werden, oder das Buch könnte man auch von Freunden oder Verwandten geschenkt bekommen haben. Auch solche Rezensionen sind nicht weniger wert.

Umgekehrt sind insbesondere bei niedrigen Preisen auch Gefälligkeitsrezensionen von Freunden nicht ausgeschlossen.

Mit der Information des verifizierten Verkauf ist also nicht wirklich viel gewonnen.

Entscheidend sich ehrliche Lesermeinungen, die weder eine Gefälligkeit noch eine gezielte Schädigungsabsicht beinhalten.

Es ist daher besser sich inhaltlich an einer Rezension zu orientieren. Übertriebene Lobhudeleien, als auch gehässige Aussagen über ein Buch und den Autor sind immer mit Vorsicht zu genießen.

Am überzeugendsten und hilfreichsten sind sachlich abgefasste Bewertungen, welche die Sicht des Rezensenten auch begründen.

Ihre Alice Stein

Autoren können sich gegenseitig unterstützen!

In diesem Artikel möchte ich Ihnen gerne den Blog des Autors Rainer Andreas Seemann vorstellen.

http://autor.rainer-seemann.de/

Auf seinem Autorenblog „Bücher vorstellen – besprechen – empfehlen!“ bietet er Beiträge, Rezensionen, Buchvorstellungen und Empfehlungen an. Also alles was Autoren aber auch Leser gut brauchen können. Im Gegensatz zu einigen anderen Anbietern, verlangt er weder Geld noch eine Gegenleistung dafür. Es gibt auch die Möglichkeit über Erfahrungen mit Verlagen zu berichten.

Ich habe selbst dieses freundliche Angebot, anlässlich meiner Preisaktion von 0,99 EUR, für mein E-Book genutzt: http://rainer-seemann.de/wordpressII/die-schmutzigen-geschaefte-der-verlagsbranche/

Rainer Andreas Seemann ist Franchiseberater und Buchautor, sowie Freizeit-Blogger.

Er hat drei Bücher geschrieben:

Existenzgründung – die Alternative für Macher

Gewerbe angemeldet – was nun?

Die positive Sprache: und wie man sie üben und praktizieren kann.

http://rainer-seemann.de/wordpressII/meine-buchveroeffentlichungen/

Ich finde es sehr schön wenn sich Autoren gegenseitig unterstützen, fernab jeglichen Konkurrenzdenkens. Aus diesem Grund richte ich die Bitte an alle Autoren: Unterstützt Euch gegenseitig und lasst jegliche Konkurrenzgedanken beiseite – letztlich kann es sich für jeden lohnen!

Leser von Büchern ersuche ich: Bitte unterstützt die Autoren, wenn Euch ein Buch gefallen hat mit einer Empfehlung oder Rezension. Es steckt viel Arbeit in einem Buch, die mit Ausnahme von Bestsellerautoren in keiner Relation zum Ertrag stehen und jeder Autor freut sich über Anerkennung und auch ein bisschen Werbung.

Ihre Alice Stein


 

Wie man Bewertungen bewertet

Sowohl beim Kauf von Büchern, als auch von Produkten orientieren sich viele an den Bewertungen anderer. Das ist zwar eine gute Idee, da es einem vor Fehlkäufen bewahren und echte Mängel aufzeigen kann, aber es ändert nichts daran, dass Bewertungen immer subjektiv sind.

Nehmen wir als Beispiel einmal die Grenze zwischen 4 Sternen und 5 Sternen. Es gibt Personen, die grundsätzlich keine Höchstwertung vergeben. Ich habe einmal im beruflichen Kontext von einem Seminarteilnehmer die Erklärung bekommen, dass die Höchstwertung für ihn bedeutet, dass es absolut perfekt ist. Da es das aber nie gäbe, gibt er auch niemals die Höchstzahl an zu vergebenen Punkten. Aus dieser Perspektive ist für denjenigen die zweithöchste Wertung ebenso gut, wie wenn andere die Bestwertung geben. Aber wer kennt schon die persönlichen Bewertungskriterien, wenn man bei Produkten auf den Durchschnittswert sieht und ein paar Bewertungen liest?

Einige geben 5 Sterne wenn es sie persönlich sehr anspricht, setzen aber keine Perfektionsmaßstäbe. Bei anderen kann es wiederum sein, dass sie inhaltlich sehr positive Rezensionen bei Büchern, schreiben, aber dennoch einen Punkt abziehen, ohne dass dieser Abzug begründet wird.

Auch bei den Bewertungen braucht man als Autor dementsprechend – wie in vielen Bereichen – einfach Glück. Hat man mehrere Kunden, die das Buch nach Gefallen beurteilen, aber keine Perfektion erwarten und die 5  Sterne vergeben, macht das Buch von den Bewertungen her einen sehr guten Gesamteindruck. Umgekehrt kann es aber auch sein, dass sich ein paar Perfektionisten versammeln, die Abzüge für jeden Fehler geben, obwohl ihnen das Buch insgesamt gefallen hat. Das natürlich nebst der Möglichkeit, dass Kunden gänzlich andere Vorstellungen von dem Buch hatten und es ganz schlecht bewerten.

Eine gute Möglichkeit der Ergänzung ist eine Leseprobe, oder die „Blick ins Buch“-Funktion bei Amazon. Denn dadurch kann man sich selbst bereits einen Eindruck verschaffen, denn letztlich zählt für den Einzelnen ja nur, ob einem selbst das Buch gefällt und einen Nutzen bringt oder nicht. Gerade bei Büchern überwiegt der subjektive Eindruck. Das ist wiederum etwas anders wenn es sich beispielsweise um Produkte handelt, wo es auch um die Haltbarkeit und Belastbarkeit geht.

Als Autor selbst kann man, wenn man Self-Publisher ist, in die Qualität des Buches investieren, indem man beispielsweise ein Korrektorat oder Lektorat machen lässt und ein professionelles Cover. Außerdem das Buch in Verbindung mit dem Klappentext von mehreren Lesern, aus dem Bekanntenkreis lesen lässt, um zu überprüfen ob es falsche Erwartungen weckt. Diesbezüglich sollte man absolut ehrliche Antworten einfordern, oder nach dem Lesen des Klappentextes ein kurzes Feedback erbitten, welche Erwartungen dieser weckt, um anschließend zu prüfen ob das Buch dem gerecht wird. Das reduziert schon einmal die Angriffspunkte.

Der Rest ist dann wieder Glückssache. Denn Glück braucht jeder Autor, selbst wenn er oder sie noch so gut schreibt!

Ihre Alice Stein

Das machtvolle Spiel mit den Rezensionen

Aufbauend auf meinem letzten Artikel gehe ich heute noch einmal auf das Thema Rezensionen ein. Diese sind ein sehr wirkungsvolles Marketinginstrument und daher finden sich in diesem Bereich auch viele Manipulationen. Angefangen von Autoren, die unter einem Pseudonym ihr Buch selbst rezensieren und natürlich in den höchsten Tönen loben bis hin zu Verlagen, wo deren Mitarbeiter, meist ebenfalls anonym, die Rezensionen schreiben.

Obendrein gibt es Verlage die Geld dafür bezahlen, dass ein etablierter Rezensent in einer Zeitung, Zeitschrift oder einem bekannten Portal eine Rezension schreibt. Es ist unter solchen Umständen natürlich sehr unwahrscheinlich, dass der/die RezensentIn sich überhaupt traut einen allzu kritischen oder negativen Bericht zu schreiben. Denn dann würde die betreffende Person wohl keine weiteren Aufträge bekommen. Nach meinen Informationen können sich Rezensenten fallweise damit aber einen ganz guten Nebenverdienst erwirtschaften. Das wird wahrscheinlich niemand aufs Spiel setzen wollen.

In einem Artikel auf Spiegel.de wird berichtet, dass ein Verlag auf eine extreme Abqualifizierung  von Lesern auf Amazon mit einer einstweiligen Verfügung gedroht hatte. Die dort eingestellten Rezensionen entsprachen nicht den Richtlinien. Der Verlagschef erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Ohne Erfolg. Auch ein extremes schlechtmachen eines Werkes kann organisiert sein und in so einem Fall muss man auch die Position eines Verlages oder Autors verstehen.

Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/rezensions-missbrauch-guerilla-marketing-bei-amazon-a-476359.html

In meinem Buch bin ich auf dieses Thema ebenfalls eingegangen und gebe Hinweise woran man glaubwürdige Rezensionen erkennen kann. Für Diskussionen zu dem Thema bin ich jederzeit offen – bitte dazu mein Kontaktformular verwenden.

Ihre Alice Stein

Sind schlechte Rezensionen rechtlich problematisch?

Immer häufiger höre oder lese ich in letzter Zeit, dass Verlage sich an Kunden beispielsweise von Amazon wenden, nachdem diese eine schlechte Rezension über eines ihrer Bücher geschrieben haben und sie dazu auffordern die Rezension wieder zu löschen und mit rechtlichen Schritten drohen, falls das nicht erfolgt.

Es ist zwar verständlich, dass Verlage und Autoren nicht gerade erfreut über schlechte Rezensionen sind und sich diese auch tatsächlich negativ auf den Verkauf eines Buches auswirken können, dennoch stellt sich die Frage ob das nicht zu weit geht? Die Vorgehensweise hat aus meiner Sicht doch etwas erpresserisches. Was ist mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung? Rezensionen müssen auch nicht zwangsläufig positiv sein, was hätte das sonst für einen Sinn, man könnte nichts darauf geben, wenn es über jedes Buch, oder jeden Artikel nur positive Kundenmeinungen gibt.

Ich wollte es genau wissen, ob diese Androhungen von Seiten der Verlage oder Unternehmen rechtens sind und falls ja in welchem Zusammenhang. Daher habe ich bei einem Anwalt mit dem Fachgebiet Medienrecht nachgefragt.

Herr Christian Weiner, LL.M., Rechtsanwalt, Master of Laws für Medienrecht war so freundlich mir diese Frage ausführlich zu beantworten. http://www.ra-weiner.de/  Vielen Dank an dieser Stelle! Ich stelle sie nun unzensiert in diesen Artikel:

Es ist zunehmend zu beobachten, dass sich Unternehmen gegen aus ihrer Sicht negative Bewertungen zur Wehr setzen. Der Grund ist einfach zu finden, stellt eine negative Bewertung doch etwas geschäftsschädigendes dar. Viele Käufer lesen Bewertungen und können dadurch vom Kauf abgehalten werden, wenn ein Produkt „zerrissen“ wird.

Stehen sich als widerstreitende Interessen die Meinungsfreiheit (Art. GG Artikel 5 Abs. GG Artikel 5 Absatz 1 GG) und das allgemeine Unternehmenspersönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1, Art. GG Artikel 19 Abs. GG Artikel 19 Absatz 3 GG) gegenüber, kommt es für die Zulässigkeit einer im Rahmen einer Bewertung getätigten Äußerung maßgeblich darauf an, ob es sich um Tatsachenbehauptungen oder Meinungsäußerungen handelt. Eine Tatsachenbehauptung bezieht sich auf etwas Geschehenes oder einen gegenwärtigen Zustand und steht deshalb grundsätzlich dem Beweis offen, d. h. ihre Wahrheit oder Unwahrheit ist grundsätzlich mit den in der Prozessordnung vorgesehenen Beweismitteln überprüfbar. Werturteile sind demgegenüber durch Elemente der Stellungnahme und des Dafürhaltens und Meinens geprägt und deshalb dem Beweis nicht zugänglich (BGH GRUR 1972, GRUR Jahr 1972 Seite 435, GRUR Jahr 1972 Seite 439).

Grundsätzlich sind zulässig Meinungsäußerungen, die durch das Element der Wertung, des Dafürhaltens, im Rahmen einer geistigen Auseinandersetzung geprägt sind. Tatsachenbehauptungen sind nur dann zulässig, wenn sie wahr sind. Gegen unwahre Tatsachenbehauptungen kann sich der Betroffene Unternehmer zur Wehr setzen, nicht jedoch gegen wahre Tatsachenbehauptungen. Ob es sich um eine Tatsachenbehauptung oder Meinungsäußerung handelt, ist nicht immer leicht zu beantworten. Tatsachenbehauptungen sind Äußerungen, die dem Beweis zugänglich sind, wie oben dargestellt.

Wertende Äußerungen wie z.B. »Miserabler Service von X. Computersysteme. Kundenfreundlich ist anders!« und »Schlechter Service von X.« stellen Meinungsäußerungen dar, da sie die subjektive Wertung bezüglich des Service des Verkäufers ausdrücken. Der Äußerung lässt sich keine konkret greifbare Tatsachenbehauptung entnehmen. Der Vorwurf ist in meinem Beispielsfall sehr pauschal formuliert. In welcher Art und Weise der Service miserabel oder schlecht war und aus welchem Grund der Schreiber zu der Auffassung gelangt, dass »kundenfreundlich anders ist«, ergibt sich aus der Äußerung selbst nicht – und dies allein ist maßgebend. Dies wird deutlich, wenn man versucht, eine Beweisfrage zu formulieren, die mit den Mitteln des zivilprozessualen Beweisrechts bewiesen werden könnte. Die verwendeten Begrifflichkeiten sind derart auslegungsfähig und auslegungsbedürftig, dass ihnen eine eindeutige, beweisbare Tatsachengrundlage nicht entnommen werden kann.

Ich denke, dass es sehr hilfreich ist, über dieses Thema genau Bescheid zu wissen. Einerseits möchte man sich nicht das Recht auf freie Meinungsäußerung nehmen lassen und auch sagen dürfen wenn etwas nicht in Ordnung ist, andererseits will man auch keine Abmahnung oder Klage riskieren.

Demnach ist es wohl das Beste alles was nicht eindeutig eine unwiderlegbare Tatsache ist dementsprechend als subjektive Meinung zu kennzeichnen, z.B. Ich finde, … ; mir gefällt nicht …; nach meinem Empfinden,…; meiner Meinung nach … etc.

Vorsichtig sollten Sie auch sein, wenn Sie die Rechtschreibung kritisieren. Beispiel: „Sehr viele Rechtschreibfehler!“ Wer definiert sehr viel? Das könnte zu einer Gratwanderung werden, wenn Sie nicht gerade Deutschprofessor/in oder Lektor/in sind. Kennzeichnen Sie das auch besser als subjektive Meinung und nicht als Tatsachenbehauptung. Verwenden Sie lieber Begriffe wie Tippfehler, als Rechtschreibfehler, das ist neutraler und leichter zu beweisen. Denn ein Rechtschreibfehler kann letztlich nur ein Tippfehler oder Flüchtigkeitsfehler sein, selbst wenn der Autor oder die Autorin grundsätzlich über die korrekte Schreibweise Bescheid weiß. Die Definition ist also gar nicht so leicht, weil man nicht genau sagen kann, ob der Fehler tatsächlich aus Unkenntnis der korrekten Schreibweise entstanden ist, oder anders.

Die persönliche Meinung sollte idealerweise auch begründet sein. Also nicht nur einfach: „Ich finde dieses Buch schlecht“, sondern: „Mir gefällt dieses Buch nicht, weil mir der z.B. der Schreibstil des Autors nicht gefällt; das Buch aus meiner Sicht zu klein gedruckt ist; der Inhalt mich nicht anspricht oder meinen Erwartungen entsprochen hat; das Ende nach meinem Empfindungen zu schnell abgehandelt wurde; meiner Meinung nach zu wenig Informationen enthalten waren, … usw.

Je ausführlicher und deutlicher Sie Ihre Sichtweise darlegen, desto weniger angreifbar sind Sie und obendrein hilft es anderen Kunden mehr. Sinnvoll ist es auch aus dem Grund, damit Verlag und Autor sehen, wo die eigentlichen Schwächen aus Kundensicht gesehen werden. Liegen die Fehler eher beim Autor, kommt der Schreibstil oder die Handlung nicht gut an, oder wird häufiger die Ausfertigung des Buches kritisiert, wofür meist der Verlag verantwortlich ist (Ausnahme Self-Publishing).

Rezensionen beeinflussen die Kaufentscheidung. Das kann für Kunden sehr hilfreich sein, wenn es sie von einem Fehlkauf abhält. Es kann aber auch bei einer ungerechtfertigt negativen oder oberflächlich abgehandelten Rezension sehr zum Nachteil eines Autors, Verlages oder Unternehmens sein. Ein gewisses Verantwortungsgefühl und eine sorgfältige Wahl der Worte empfiehlt sich also im Interesse aller Beteiligten. Dann dürfte man als Rezensent auch nichts zu befürchten haben.

Ergänzung vom 17.06.2017:

Ein Rezensent von Sach- und Fachbüchern, der gerne anonym bleiben möchte, hat mir die folgenden Informationen zukommen lassen, die ich hiermit an meine Leser weitergebe. In einer Rezension wies er darauf hin, dass er bei der Besprechung Zugriffsprobleme auf angebotene Online-Materialien hatte:

Dafür werde ich seitenlang ganz böse beschimpft. Zudem gibt es massive Forderungen nach einer Korrektur und die Drohung mit dem Anwalt. …. 

Mein Chefredakteur hatte als „Lösungsvorschlag“: Dann bringen wir die Rezension noch einmal, und zwar ohne die angegriffene Passage. Dann steht man als Rezensent erst recht im Regen. Mein persönlicher Eindruck ist: Wenn man regelmäßig Bücher bespricht, und zwar Bücher mit einer gewissen Bedeutung und einer gewissen Auflage, kommt man ohne Rechtsschutz und ohne Berufshaftpflicht nicht aus. Das ist zwar viel Geld im Jahr, gibt aber ein Stück Sicherheit und Gelassenheit. Bei Schadensersatzforderungen geht es schnell in hohe Summen (Buch konnte wegen einer unberechtigten Rezension nicht gut verkauft werden usw.) Alles nicht sehr lustig.

Vielen Dank für diese Informationen!
Ihre Alice Stein