Was beim Kontakt mit einem Verlag zu beachten ist

Wenn es zu Vertragsverhandlungen mit einem Verlag kommt, ist der Ablauf des Kontakts sehr unterschiedlich. Es kann ganz einfach der Vertrag zugeschickt werden, oder der/die Autorin bekommt einen Anruf oder ein Mail, in dem die Entscheidung mitgeteilt wird und weitere Einzelheiten besprochen werden.

Selbstverständlich ist es für Autoren angenehm, wenn der Kontakt mit dem Verlag persönlicher ist. Doch auch unseriöse Verlage machen sich diese Wirkung zu Nutze. So kommt es nicht selten vor, dass Zuschussverlage ein persönliches Treffen vorschlagen, um ausführlich alle Details in Zusammenhang mit der Buchveröffentlichung zu besprechen. Befinden Autor und Verlag sich zufällig am selben Ort oder in derselben Stadt, so ist das sicherlich eine gute Möglichkeit um eine Zusammenarbeit zu beginnen. Insbesondere bei größeren Verlagen fehlt dafür aber meist die Zeit. Stutzig sollte man werden, wenn ein  Verlag ganz selbstverständlich ein persönliches Treffen vorschlägt, obwohl der Autor weit entfernt lebt. Denn das ist ausgesprochen unüblich. Die Autoren werden dann meist überhaupt nicht gefragt, ob ihnen das Treffen von der Anreise her möglich wäre. Ein derartiges Überrollen ist schon meist ein Vorbote, dass noch weitere Dinge kommen, wo die Autoren überrumpelt werden sollen – und das ist in einem persönlichen Gespräch vor Ort viel leichter.

Bei den heutigen technologischen Möglichkeiten der Kommunikation, empfiehlt es sich als Autor in so einem Fall einen Gegenvorschlag zu unterbreiten, beispielsweise ein Gespräch via Skype. Schließlich ist es ein bisschen viel verlangt, wenn man eine weite Anreise auf sich nehmen soll, ohne zu wissen, ob man letztlich wirklich mit dem entsprechenden Verlag zusammenarbeiten kann und will. Wenn das nicht akzeptiert wird, dann ist meist etwas faul!

Ihre Alice Stein

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Interview mit dem Autor Ha. A. Mehler zum Thema „Welche Faktoren müssen zusammenspielen um einen Bestseller zu landen?“

Anlässlich des Buches „Wie schreibe ich einen Bestseller“ von Ha. A. Mehler habe ich mit dem Autor ein Interview geführt. Es ist interessant wie unterschiedlich die Erfahrungen von Autoren sind, und das hängt von verschiedenen Komponenten ab.

Weitere Bücher von Ha. A. Mehler für Autoren:
„Das Geheimnis der Kreativität“
„Wie Sie eine wirklich spannende Geschichte schreiben, von der sich der Leser nicht losreißen kann“ (Amazon-Kindle)

Nun zum Interview:

Alice Stein: Herr Mehler, Sie geben in Ihrem Buch „Wie schreibe ich einen Bestseller“ viele Tipps zum Spannungsaufbau, zu Kreativitätstechniken und vielem mehr. Denken Sie, dass ein gutes Buch, in dem all diese Dinge berücksichtigt werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Bestseller werden kann oder ist nicht auch die Verlagswahl sehr entscheidend?

Ha. A. Mehler: Sofern ein Buch hervorragend geschrieben ist, ist zumindest die Voraussetzung für einen Seller gegeben. Insofern sind Spannungstechniken, wie ich sie in meinem Buch „Wie schreibe ich einen Bestseller“ niedergelegt habe, das A und O. Wenn ein Buch keine Spannung aufweist, wird ein Leser ein Buch sehr einfach aus der Hand legen und es nicht lesen.

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man im Falle eines hoch spannenden Buches einen Bestseller produziert, ist von vielen weiteren Details abhängig. Viele weitere Punkte spielen eine Rolle:
○ Beißt der Titel und zieht er sofort Aufmerksamkeit an?
○ Stimmt das Coverbild?
○ Wurde die Zielgruppe vorab in Augenschein genommen und über das Buch informiert?
○ Besteht eine Nachfrage nach einem solchen Titel?
○ Bietet das Buch einen konkreten Nutzen/Vorteil für die Zielgruppe?
○ Wird genügend Werbung gemacht?
○ … PR?
○ Ist der Verkauf sichergestellt?
○ Wird regelmäßig weiter geworben und verkauft, nicht nur einmal?

Ein guter Verlag kann all diese Punkte sicherstellen. Aber selbst in einem sehr guten Verlag gibt es Profis und Dilettanten. Die PR-Dame kann beispielsweise gerade neu engagiert worden sein und „keine Ahnung von Tuten und Blasen“ haben. Und so weiter, die Beispiele ließen sich beliebig mehren.

Ein Newcomer weiß selten, wie es innerhalb eines Verlages wirklich aussieht.

Alice Stein: Wie waren Ihre bisherigen Erfahrungen mit Verlagen?

Ha. A. Mehler: Persönlich habe ich sehr gute Erfahrungen mit Verlagen gemacht. Ich bin mittlerweile in 22 Verlagen publiziert, im In- und Ausland. In Deutschland sind es, glaube ich, 12 Verlage.
Einige Verlage arbeiteten hoch professionell, wie der Rentrop-Verlag, der heute als „Verlag für die Deutsche Wirtschaft“ zeichnet, aber leider keine Bücher mehr publiziert. Mit Norman Rentrop verdiente ich einen Haufen Geld, insgesamt eine sechsstellige Summe.
Mit dem Heyne-Verlag machte ich ebenfalls sehr gute Erfahrungen. Ein Buch verkaufte sich über 100.000 mal. Auch mit Bassermann (Random House) machte ich ausgezeichnete Erfahrungen und konnte Bestseller mit ihm produzieren.
Mit vielen mittleren und kleineren Verlagen machte ich „kleine und mittlere“ Erfahrungen, ironisch gesprochen, weil deren Kapazität teilweise einfach nicht ausreichte, um ein Buch intensiv zu bewerben. Aber auch mit dem Falken-Verlag und dem Verlag moderne industrie konnte ich Seller produzieren.
Unter dem Strich betrachtet waren meine Erfahrungen also gut. Freilich gab es Ausnahmen, die die Regel bestätigten.

Alice Stein: Braucht man Ihrer Meinung nach unbedingt einen Agenten? Hatten Sie schon einmal einen? Falls ja, wie sind Ihre Erfahrungen diesbezüglich?

Ha. A. Mehler: Nein, man braucht nicht unbedingt einen Agenten.
Ich arbeite heute mit fünf Agenten zusammen, zwei deutschen, einem russischen, einem bulgarischen und einem US-amerikanischen.
Einige Agenten bringen Ergebnisse, andere nicht.
Agenten sind von unvorstellbar unterschiedlicher Qualität.
Man muss sie austesten, um zu wissen, woran man ist.
Ich persönlich habe auch mit Agenten insgesamt gute Erfahrungen gemacht.

Alice Stein: Sollte man als Autor/in beim Verlag mehr nachhaken zwecks Marketing? Oder anders ausgedrückt, sollte man den Verantwortlichen im Verlag diesbezüglich auch ruhig auf den Wecker fallen?

Ha. A. Mehler: Das kommt auf die Beziehung an, die man mit dem Verantwortlichen hat.
Niemand mag es, wenn man jemandem „auf den Wecker fällt.“
Klüger ist es, selbst aktiv zu werden und etwas für die PR und den Verkauf des eigenen Buches zu tun.
Oder zumindest konkrete Vorschläge zu unterbreiten, von denen man weiß, dass sie funktionieren.

Alice Stein: Haben Sie bezüglich der Eigenaktivität der Autoren für Werbezwecke ein paar Tipps für die Leser , die nicht in Ihrem Buch stehen?

Ha. A. Mehler: Das Feld der PR und der Werbung ist so riesig, dass man keine allgemeinverbindlichen Tipps geben kann. Es kommt auf das Buch und die Zielgruppe an. Abhängig davon kann man Tipps geben, die auch ins Schwarze treffen.
Wenn man ein Buch für Immobilienmakler z.B. schreibt, muss man darauf hinwirken, dass genau diese Zielgruppe über die Existenz des Buches mehrfach informiert wird. Und man muss alle Immobilien-Fachzeitschriften kontaktieren und hier werben.
Schreibt man ein Buch für Heilpraktiker, so muss man die rund 6000 Heilpraktiker in Deutschland kontaktieren. Und so weiter.

Alice Stein: Gibt es Ihrer Ansicht nach ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, die man braucht um einen Bestseller zu landen? Abgesehen von der Qualität des Buches und den angewandten von Ihnen empfohlenen Techniken – welche sind das?

Ha. A. Mehler: Ja natürlich, siehe meine erste Antwort. Ein Bestseller wird nur gebacken, wenn eine ganze Menge von Faktoren zusammenkommen, die alle stimmen müssen.
Hier eine Zahl, die zu denken geben sollte: In den USA, wo ich wohne, setzen Profis 80% des Geldes, das für ein Buch zur Verfügung steht, brutal für die Werbung ein. 20% bleiben für den Autor, die Herstellung des Buches etc. übrig.
Will sagen: Wenn nicht in riesigem Stil für ein Buch geworben wird, ist die Chance für einen Bestseller verschwindend gering.
In Deutschland verhält es sich umgekehrt: nachdem das Buch produziert ist, ist oft kein Geld mehr für die Werbung in der Kasse, oder nur noch 20%. Auf diese Weise kann man natürlich nur scheitern.
Ein Buch wird zweimal geboren:
Die erste Mutter ist der Autor/die Autorin.
Die zweite Mutter ist der Werber/ die Werbefachfrau.
Ohne diese Zweifach-Geburt gibt es keinen Bestseller.

Auch was die Werbung angeht, so gibt es Profis und Dilettanten.
Man tut als Autor gut daran, sich mit der potentiellen Zielgruppe seines Buches professionell vorher auseinanderzusetzen. Man muss wie ein Werber denken lernen, zusätzlich zu der Autoren-Identität.
Nur wenn man beide Gesichtspunkte im Auge behält, gewinnt man.

Alice Stein: Vielen Dank für das Interview Herr Mehler!

 

Wird die Verlagswelt auf den Kopf gestellt?

Wie in einem früheren Artikel bereits erwähnt, bewegt sich im Bereich Self-Publishing gerade sehr viel. Die normalen Verlagsmodelle könnten dadurch zunehmend unter Druck geraten. Denn wenn man sich ansieht was einige Self-Publisher bereits bieten und das mit den Angeboten von traditionellen Verlagen vergleicht, sofern man überhaupt ein Angebot bekommt, dann sieht es mittlerweile schon ziemlich armselig für die gängigen Verlage aus.

Selbstverständlich unterscheiden sich die einzelnen Angebote, es geht hier um einen Überblick und um die Möglichkeiten, die es heutzutage für Autoren gibt.

Beim Self-Publishing müssen die Kosten für die Veröffentlichung vom Autor selbst getragen werden. Manche Anbieter bieten mittlerweile allerdings bereits kostenlose Veröffentlichungen an. Oftmals kann man zwischen mehreren Ausgabeformaten wählen bzw. auch mehrere gleichzeitig herausbringen.

Ein Punkt, der je nach Sichtweise als Vor- oder Nachteil eingestuft werden kann, ist die Verantwortlichkeit des Autors für die Qualität des Buches. Es ist durchaus empfehlenswert in ein Korrektorat oder Lektorat zu investieren. Aber im Gegensatz zu dem Lektorat, das bei einem Verlagsvertrag beinhaltet sein sollte, können Autoren in diesem Fall selbst bestimmen mit wem sie arbeiten. Man kann mehrere Angebote einholen und vergleichen bevor man sich für jemanden entscheidet. Diese freie Wahl hat man bei einem Verlag nicht und wenn der Lektor dort den Büchern der Autoren seinen eigenen Stempel aufdrücken möchte, dann kann man das entweder hinnehmen oder geht auf Konfrontation, was aber auch das Ende der Zusammenarbeit bedeuten kann. Wenn Sie keine zu starken inhaltlichen Einmischungen möchten, dann können Sie das im Fall von Self-Publishing auch dementsprechend unterbinden oder eben nur ein Korrektorat buchen, das ohnehin günstiger ist.

Der nächste Punkt, der zur Ausstattung eines Buches gehört ist der Buchsatz. Hierzu bieten die Anbieter entsprechende Vorlagen und Informationen an, wodurch sich der Buchsatz leicht selbst gestalten lässt. Und zu guter Letzt darf natürlich das Cover nicht fehlen. Auch hier gibt es entweder vorgefertigte Entwürfe, die man auswählen kann oder man nimmt sich einen Grafiker. Im letzten Fall lohnt es sich sehr viele Angebote zu vergleichen. Es gibt durchaus ambitionierte Profis, die ein preiswertes Angebot machen.

Ich persönlich habe es ausgesprochen interessant gefunden ein Buch komplett selbst gestalten und alles frei entscheiden zu können.

In meiner Autorentätigkeit habe ich sehr viele unterschiedliche Varianten kennengelernt. Von einem professionellem Lektorat, das mich mein Buch aber noch als mein eigenes erkennen ließ, bis zu Lektoren, die sich im Manuskript anderer selbst verwirklichen wollen und am liebsten keinen Satz so stehen lassen wie er ist, inklusiver einer veränderten Quintessenz diverser Aussagen, bis zu einem Verlag der nur vorgab ein Lektorat durchzuführen und nichts dergleichen geschah.

Beim Self-Publishing sind die Fronten geklärt. Man muss zwar ein bisschen investieren, was sich aber durchaus im Rahmen hält, aber sonst kann es zumindest was die Ausstattung des Buches anbelangt keine bösen Überraschungen geben.

Ein weiterer Vorteil ist der Veröffentlichungszeitpunkt, den man im Fall von Self-Publishing selbst bestimmen kann. Die meisten Verlage haben ein halbjährliches oder jährliches Verlagsprogramm, das bisweilen oft für die nächsten Jahre ausgebucht ist. Abgesehen davon, dass man als Autor meist mehrere Monate auf die Prüfung des Manuskripts warten muss, geht dabei viel Zeit verloren. Im Unterhaltungssektor macht das vielleicht nicht so viel aus, aber im Sachbuchbereich, insbesondere bei Themen die aktuell sind, zählt jeder Monat. Noch mehr Verzögerungen kann es geben, wenn man einen Agenten zwischenschaltet, denn die jeweiligen Agenturen benötigen auch einige Zeit zur Prüfung der Manuskripte.

Eine mir bekannte Autorin, die auf Self-Publishing sehr arrogant herabblickt, war der Meinung das die einzig sinnvolle Möglichkeit ein Buch erfolgreich zu publizieren nur die über einen Agenten ist. Am Rande sei erwähnt, dass es sich bei ihr um keine namhafte Autorin handelt, denn diese sind meistens nicht arrogant. Interessanterweise ist kurz nach dieser Aussage ein Buch von ihr ausschließlich als E-Book in einem mir völlig unbekannten E-Book Verlag erschienen. Ich persönlich wäre nicht erfreut, wenn trotz Agent nicht auch eine Print-Ausgabe herausspringt.

Über das Thema Agenten mit allen Vor-und Nachteilen und Dingen die man wissen sollte, habe ich in meinem Buch „Die schmutzigen Geschäfte in der Verlagsbranche“ geschrieben.

Kleine Verlage bieten oft nur sehr wenig Marketing und Werbung an, falls überhaupt. Auch hier haben einige Self-Publishing-Anbieter sehr aufgeholt, um nicht zu sagen überholt.

Nicht zu vergessen ist das Honorar, das wesentlich höher ist als bei normalen Verlagen. Durch die Möglichkeit des Print-on-Demand Verfahrens sind die Kosten für eine Buchproduktion insgesamt viel geringer und vor allem für die Verlage nicht mehr so risikoreich als das Drucken einer bestimmten Auflagenhöhe. Daher ist es beim Self-Publishing auch möglich höhere Honorare auszahlen zu können, nebst der Ersparnis für die Personalkosten jener Personen die insgesamt im Buchherstellungsprozess beschäftigt sind.

Es lässt sich heutzutage also absolut nicht mehr sagen, dass man nur über eine bestimmte Veröffentlichungsweise Erfolg hat und über andere eben nicht. Es gibt keine Garantie für niemanden. Daher ist es wohl am sinnvollsten den Weg zu wählen, der für einen selbst am Stimmigsten ist, um auch mit dem Ergebnis die bestmöglichste Zufriedenheit zu erlangen. Für den Erfolg braucht man aber immer auch eine ordentliche Portion Glück – und diese lässt sich im Voraus nicht berechnen – nicht einmal für erfahrene Verlagsprofis.

Ihre Alice Stein

Was Autoren beim Lektorat in unterschiedlichen Verlagen erwartet

Es gibt große Unterschiede was Autoren sowohl in der Zusammenarbeit mit Lektoren und dem Lektorat eines Buches begegnet. Das schwankt von guter, konstruktiver bis hin zu sehr nervender destruktiver Arbeit, und was das Lektorat betrifft von qualitativer bis zu schlechter Leistung.

Sehen wir uns einmal die grundsätzlichen Aufgaben eines Lektors an:

Prüfung und Bewertung von Manuskripten nach Inhalt, sprachlicher Qualität und Vermarktungspotenzial.

Betreuung von Autoren.

Lektorieren bzw. korrigieren der Manuskripte.

Hinzu kommen noch die Beschaffung von Lizenzen, Kostenkalkulationen, das Abfassen von Informations- und Marketingtexten u.a.

Diese Aufgaben können ebenfalls stark variieren, sodass bei kleineren Verlagen oftmals die Verlagsleiter einige dieser Aufgaben übernehmen, in manchen Fällen übernehmen sie auch das Lektorat. So ist manchmal, insbesondere bei größeren Verlagen oder Verlagsgruppen der Lektor die Hauptansprechperson, bei anderen ist es der Verlagsleiter. In vielen Fällen entscheidet der Lektor in erster Linie ob ein Buch ins Programm genommen wird oder nicht. Bei größeren Verlagen muss er ein Buch in einer Runde vorschlagen, an der andere Lektoren, und manchmal auch Marketingleiter und möglicherweise der Verlagsleiter beteiligt sind.

Bei einem kleineren Verlag habe ich es einmal erlebt, dass der Verlagsleiter entschied eines meiner Bücher (damals noch Manuskript) ins Programm zu nehmen. Er wollte es schnellst möglichst veröffentlichen, musste jedoch den Lektor noch überzeugen, dass er nach abgeschlossener Arbeit für das folgende Herbstprogramm doch noch ein Buch lektorieren musste. Dieser ließ seinen ganzen Unmut darüber an meinem Manuskript aus, was nach einigen Wochen bis Monaten letztlich zum Bruch geführt hatte. Hier zeigte sich die Macht eines Lektors gegenüber dem Verlagsleiter. In anderen Fällen, ebenfalls bei kleineren Verlagen, kann es sein, dass man mit dem Lektor oder Lektorin selbst nie konfrontiert ist und alles über die Verlagsleitung abgesprochen wird, inklusiver inhaltlicher oder sprachlicher Unklarheiten im Manuskript.

Die Ausbildung eines Lektors variiert ebenfalls sehr stark. In wissenschaftlichen Verlagen ist der Anspruch dementsprechend höher. Allgemein werden bei größeren Verlagen und Verlagsgruppen eine hohe Allgemeinbildung erwartet, ein Hochschulstudium z. B. ein sprachwissenschaftliches wie Germanistik. Bei Fachverlagen kann es auch ein Studium aus dem entsprechenden Fachgebiet sein, ein hohes sprachliches Know-how ist Voraussetzung.

Dann gibt es noch verschiedene Ausbildungen im Buchhandel bzw. Verlagswesen. Viele Verlage verlangen diesbezüglich auch einen Nachweis anhand von Zeugnissen.

Es gibt aber auch verschiedene (kleinere, weniger bekannte Verlage, wohlgemerkt nicht alle), die es diesbezüglich wesentlich lockerer handhaben und von ihren Lektoren keinerlei fundierte Ausbildung verlangen. Es reicht manchmal aus, dass der angehende Lektor selbst schon irgendetwas publiziert hat. Dass die Publikation aber höchstwahrscheinlich zuvor von einem anderen Lektor korrigiert worden ist und den Autor nicht automatisch befähigt selbst als Lektor zu arbeiten, steht auf einem anderen Blatt.

Bei einem Verlag habe ich es einmal erlebt, dass das Lektorat des Manuskripts lediglich darin bestand, die neue Rechtschreibung in die alte zu transformieren – allerdings per Knopfdruck. Was der Lektor oder die Lektorin, die ich in diesem Fall auch nicht kennengelernt hatte, tatsächlich dort tun ist fraglich, sofern tatsächlich welche beschäftigt werden. Ein seriöses, korrektes Lektorat wurde jedenfalls nicht vorgenommen, selbst wenn das als Bestandteil festgelegt war. Auf diese Weise wird versucht Bücher, von denen sich der Verlag aufgrund der Aktualität einen Wettbewerbsvorteil verspricht, möglichst schnell auf den Markt zu bringen. Ein schöner Anreiz für Autoren – der häufig mit einer oberflächlichen Arbeit von Seiten des Verlags einhergeht.

Was kann man daraus lernen? Scheuen Sie sich nicht davor nachzufragen, wer der Lektor oder die Lektorin ist der/die Ihr Manuskript bearbeiten soll und aus welcher Fachrichtung er oder sie kommt. Das gilt natürlich nur in dem Fall, dass Sie ein Vertragsangebot bekommen haben – davor wäre es kontraproduktiv.
Wie gesagt, bei den größeren Verlagen läuft sowieso alles über die Lektoren und ein korrekter Verlag wird diese Auskunft nicht verweigern. Aber wenn dem nicht so ist, haben Sie das Recht diesbezüglich eine Information zu bekommen, das sollte bei einer guten Zusammenarbeit Voraussetzung sein. Wenn Sie den Eindruck haben Ihr Manuskript wurde mehr oder weniger nur der üblichen Microsoft Word Korrektur unterzogen, dann sollten Sie hier ebenfalls nachhaken. Gehen Sie lieber nicht davon aus, dass Ihr Manuskript schon so perfekt war – jeder macht Fehler, auch sehr gute und erfahrene Autoren, deren Bücher ebenfalls vor der Veröffentlichung einem gründlichen Lektorat unterzogen werden. Fühlt man sich zu leicht geschmeichelt kann man leicht in eine Falle tappen und am Ende hängt man in einer schlechten Zusammenarbeit drin.

Wenn Sie mir diesbezüglich Ihre Erfahrungen schreiben möchten, freue ich mich. Kontaktieren Sie mich in diesem Fall bitte über das Kontaktformular.

Ihre Alice Stein

Das machtvolle Spiel mit den Rezensionen

Aufbauend auf meinem letzten Artikel gehe ich heute noch einmal auf das Thema Rezensionen ein. Diese sind ein sehr wirkungsvolles Marketinginstrument und daher finden sich in diesem Bereich auch viele Manipulationen. Angefangen von Autoren, die unter einem Pseudonym ihr Buch selbst rezensieren und natürlich in den höchsten Tönen loben bis hin zu Verlagen, wo deren Mitarbeiter, meist ebenfalls anonym, die Rezensionen schreiben.

Obendrein gibt es Verlage die Geld dafür bezahlen, dass ein etablierter Rezensent in einer Zeitung, Zeitschrift oder einem bekannten Portal eine Rezension schreibt. Es ist unter solchen Umständen natürlich sehr unwahrscheinlich, dass der/die RezensentIn sich überhaupt traut einen allzu kritischen oder negativen Bericht zu schreiben. Denn dann würde die betreffende Person wohl keine weiteren Aufträge bekommen. Nach meinen Informationen können sich Rezensenten fallweise damit aber einen ganz guten Nebenverdienst erwirtschaften. Das wird wahrscheinlich niemand aufs Spiel setzen wollen.

In einem Artikel auf Spiegel.de wird berichtet, dass ein Verlag auf eine extreme Abqualifizierung  von Lesern auf Amazon mit einer einstweiligen Verfügung gedroht hatte. Die dort eingestellten Rezensionen entsprachen nicht den Richtlinien. Der Verlagschef erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Ohne Erfolg. Auch ein extremes schlechtmachen eines Werkes kann organisiert sein und in so einem Fall muss man auch die Position eines Verlages oder Autors verstehen.

Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/rezensions-missbrauch-guerilla-marketing-bei-amazon-a-476359.html

In meinem Buch bin ich auf dieses Thema ebenfalls eingegangen und gebe Hinweise woran man glaubwürdige Rezensionen erkennen kann. Für Diskussionen zu dem Thema bin ich jederzeit offen – bitte dazu mein Kontaktformular verwenden.

Ihre Alice Stein

Sind schlechte Rezensionen rechtlich problematisch?

Immer häufiger höre oder lese ich in letzter Zeit, dass Verlage sich an Kunden beispielsweise von Amazon wenden, nachdem diese eine schlechte Rezension über eines ihrer Bücher geschrieben haben und sie dazu auffordern die Rezension wieder zu löschen und mit rechtlichen Schritten drohen, falls das nicht erfolgt.

Es ist zwar verständlich, dass Verlage und Autoren nicht gerade erfreut über schlechte Rezensionen sind und sich diese auch tatsächlich negativ auf den Verkauf eines Buches auswirken können, dennoch stellt sich die Frage ob das nicht zu weit geht? Die Vorgehensweise hat aus meiner Sicht doch etwas erpresserisches. Was ist mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung? Rezensionen müssen auch nicht zwangsläufig positiv sein, was hätte das sonst für einen Sinn, man könnte nichts darauf geben, wenn es über jedes Buch, oder jeden Artikel nur positive Kundenmeinungen gibt.

Ich wollte es genau wissen, ob diese Androhungen von Seiten der Verlage oder Unternehmen rechtens sind und falls ja in welchem Zusammenhang. Daher habe ich bei einem Anwalt mit dem Fachgebiet Medienrecht nachgefragt.

Herr Christian Weiner, LL.M., Rechtsanwalt, Master of Laws für Medienrecht war so freundlich mir diese Frage ausführlich zu beantworten. http://www.ra-weiner.de/  Vielen Dank an dieser Stelle! Ich stelle sie nun unzensiert in diesen Artikel:

Es ist zunehmend zu beobachten, dass sich Unternehmen gegen aus ihrer Sicht negative Bewertungen zur Wehr setzen. Der Grund ist einfach zu finden, stellt eine negative Bewertung doch etwas geschäftsschädigendes dar. Viele Käufer lesen Bewertungen und können dadurch vom Kauf abgehalten werden, wenn ein Produkt „zerrissen“ wird.

Stehen sich als widerstreitende Interessen die Meinungsfreiheit (Art. GG Artikel 5 Abs. GG Artikel 5 Absatz 1 GG) und das allgemeine Unternehmenspersönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1, Art. GG Artikel 19 Abs. GG Artikel 19 Absatz 3 GG) gegenüber, kommt es für die Zulässigkeit einer im Rahmen einer Bewertung getätigten Äußerung maßgeblich darauf an, ob es sich um Tatsachenbehauptungen oder Meinungsäußerungen handelt. Eine Tatsachenbehauptung bezieht sich auf etwas Geschehenes oder einen gegenwärtigen Zustand und steht deshalb grundsätzlich dem Beweis offen, d. h. ihre Wahrheit oder Unwahrheit ist grundsätzlich mit den in der Prozessordnung vorgesehenen Beweismitteln überprüfbar. Werturteile sind demgegenüber durch Elemente der Stellungnahme und des Dafürhaltens und Meinens geprägt und deshalb dem Beweis nicht zugänglich (BGH GRUR 1972, GRUR Jahr 1972 Seite 435, GRUR Jahr 1972 Seite 439).

Grundsätzlich sind zulässig Meinungsäußerungen, die durch das Element der Wertung, des Dafürhaltens, im Rahmen einer geistigen Auseinandersetzung geprägt sind. Tatsachenbehauptungen sind nur dann zulässig, wenn sie wahr sind. Gegen unwahre Tatsachenbehauptungen kann sich der Betroffene Unternehmer zur Wehr setzen, nicht jedoch gegen wahre Tatsachenbehauptungen. Ob es sich um eine Tatsachenbehauptung oder Meinungsäußerung handelt, ist nicht immer leicht zu beantworten. Tatsachenbehauptungen sind Äußerungen, die dem Beweis zugänglich sind, wie oben dargestellt.

Wertende Äußerungen wie z.B. »Miserabler Service von X. Computersysteme. Kundenfreundlich ist anders!« und »Schlechter Service von X.« stellen Meinungsäußerungen dar, da sie die subjektive Wertung bezüglich des Service des Verkäufers ausdrücken. Der Äußerung lässt sich keine konkret greifbare Tatsachenbehauptung entnehmen. Der Vorwurf ist in meinem Beispielsfall sehr pauschal formuliert. In welcher Art und Weise der Service miserabel oder schlecht war und aus welchem Grund der Schreiber zu der Auffassung gelangt, dass »kundenfreundlich anders ist«, ergibt sich aus der Äußerung selbst nicht – und dies allein ist maßgebend. Dies wird deutlich, wenn man versucht, eine Beweisfrage zu formulieren, die mit den Mitteln des zivilprozessualen Beweisrechts bewiesen werden könnte. Die verwendeten Begrifflichkeiten sind derart auslegungsfähig und auslegungsbedürftig, dass ihnen eine eindeutige, beweisbare Tatsachengrundlage nicht entnommen werden kann.

Ich denke, dass es sehr hilfreich ist, über dieses Thema genau Bescheid zu wissen. Einerseits möchte man sich nicht das Recht auf freie Meinungsäußerung nehmen lassen und auch sagen dürfen wenn etwas nicht in Ordnung ist, andererseits will man auch keine Abmahnung oder Klage riskieren.

Demnach ist es wohl das Beste alles was nicht eindeutig eine unwiderlegbare Tatsache ist dementsprechend als subjektive Meinung zu kennzeichnen, z.B. Ich finde, … ; mir gefällt nicht …; nach meinem Empfinden,…; meiner Meinung nach … etc.

Vorsichtig sollten Sie auch sein, wenn Sie die Rechtschreibung kritisieren. Beispiel: „Sehr viele Rechtschreibfehler!“ Wer definiert sehr viel? Das könnte zu einer Gratwanderung werden, wenn Sie nicht gerade Deutschprofessor/in oder Lektor/in sind. Kennzeichnen Sie das auch besser als subjektive Meinung und nicht als Tatsachenbehauptung. Verwenden Sie lieber Begriffe wie Tippfehler, als Rechtschreibfehler, das ist neutraler und leichter zu beweisen. Denn ein Rechtschreibfehler kann letztlich nur ein Tippfehler oder Flüchtigkeitsfehler sein, selbst wenn der Autor oder die Autorin grundsätzlich über die korrekte Schreibweise Bescheid weiß. Die Definition ist also gar nicht so leicht, weil man nicht genau sagen kann, ob der Fehler tatsächlich aus Unkenntnis der korrekten Schreibweise entstanden ist, oder anders.

Die persönliche Meinung sollte idealerweise auch begründet sein. Also nicht nur einfach: „Ich finde dieses Buch schlecht“, sondern: „Mir gefällt dieses Buch nicht, weil mir der z.B. der Schreibstil des Autors nicht gefällt; das Buch aus meiner Sicht zu klein gedruckt ist; der Inhalt mich nicht anspricht oder meinen Erwartungen entsprochen hat; das Ende nach meinem Empfindungen zu schnell abgehandelt wurde; meiner Meinung nach zu wenig Informationen enthalten waren, … usw.

Je ausführlicher und deutlicher Sie Ihre Sichtweise darlegen, desto weniger angreifbar sind Sie und obendrein hilft es anderen Kunden mehr. Sinnvoll ist es auch aus dem Grund, damit Verlag und Autor sehen, wo die eigentlichen Schwächen aus Kundensicht gesehen werden. Liegen die Fehler eher beim Autor, kommt der Schreibstil oder die Handlung nicht gut an, oder wird häufiger die Ausfertigung des Buches kritisiert, wofür meist der Verlag verantwortlich ist (Ausnahme Self-Publishing).

Rezensionen beeinflussen die Kaufentscheidung. Das kann für Kunden sehr hilfreich sein, wenn es sie von einem Fehlkauf abhält. Es kann aber auch bei einer ungerechtfertigt negativen oder oberflächlich abgehandelten Rezension sehr zum Nachteil eines Autors, Verlages oder Unternehmens sein. Ein gewisses Verantwortungsgefühl und eine sorgfältige Wahl der Worte empfiehlt sich also im Interesse aller Beteiligten. Dann dürfte man als Rezensent auch nichts zu befürchten haben.

Ergänzung vom 17.06.2017:

Ein Rezensent von Sach- und Fachbüchern, der gerne anonym bleiben möchte, hat mir die folgenden Informationen zukommen lassen, die ich hiermit an meine Leser weitergebe. In einer Rezension wies er darauf hin, dass er bei der Besprechung Zugriffsprobleme auf angebotene Online-Materialien hatte:

Dafür werde ich seitenlang ganz böse beschimpft. Zudem gibt es massive Forderungen nach einer Korrektur und die Drohung mit dem Anwalt. …. 

Mein Chefredakteur hatte als „Lösungsvorschlag“: Dann bringen wir die Rezension noch einmal, und zwar ohne die angegriffene Passage. Dann steht man als Rezensent erst recht im Regen. Mein persönlicher Eindruck ist: Wenn man regelmäßig Bücher bespricht, und zwar Bücher mit einer gewissen Bedeutung und einer gewissen Auflage, kommt man ohne Rechtsschutz und ohne Berufshaftpflicht nicht aus. Das ist zwar viel Geld im Jahr, gibt aber ein Stück Sicherheit und Gelassenheit. Bei Schadensersatzforderungen geht es schnell in hohe Summen (Buch konnte wegen einer unberechtigten Rezension nicht gut verkauft werden usw.) Alles nicht sehr lustig.

Vielen Dank für diese Informationen!
Ihre Alice Stein